„Literatur und Kunst helfen im Widerstand gegen Banalität und Dummheit“ Romana Ganzoni, Schriftstellerin _Engadin/CH_21.10.2020

Liebe Romana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe um 6.30h auf, spaziere mit Mops Lulu, füttere Mops Lulu, füttere Kater Jachen, der schon seit Stunden an allen Türen kratzt, sein Zerstörungswerk am Teppich vollendet und schreit, esse mein Mus, trinke eine Tasse, dann nochmals zwei, drei, vier Tassen Kaffee. Schwarz. Sehr heiss. Wenn schlechtes Wetter ist, schreibe ich. Am Roman oder an einer Erzählung. Wenn das Wetter gut ist, spaziere ich durch den Wald und springe (im Sommer, Anm.)  in den Bergsee auf 1815 Metern über Meer. Zu Mittag esse ich meist Pasta. Ich spüle mit Prosecco. Immer. Dann mache ich einen Mittagsschlaf. Am Nachmittag habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht schreibe. Also lese ich. Auch Zeitung. Gegen Abend erledige ich Korrespondenz und andere Dinge, die nicht warten sollten. Lebensmittel einkaufen zum Beispiel. Und Prosecco. Seit diesem März kenne ich Netflix persönlich. Ab 22h werde ich sehr müde. Dann richte ich die Ohrstöpsel und höre Tipps zur Selbstvermarktung auf YouTube, denn das bringt mich im Schnitt nach zwei Minuten verlässlich zum Einschlafen.

Romana Ganzoni _ Foto _ Anna Positano

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eine gute Frisur und Nerven wie Drahtseile.

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Durchhaltewillen und tragfähige Beziehungen werden wesentlich sein. Literatur und Kunst schärfen die Wahrnehmung, fördern den Sinn für Ambivalenz, unterhalten und helfen, den Widerstand gegen Banalität und Dummheit aufrecht zu erhalten. 

 

Was liest Du derzeit?

Aktuell lese ich den Roman „Hyäne. Eine Erlösungsfantasie“ von Benjamin von Wyl. Das Buch wird im September bei Lektor Books erscheinen. Ich darf am 8. September an Benjamins Vernissage im Sphères, Zürich, moderieren. Den Text zu kennen, ist deshalb von immensem Vorteil.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich möchte mit dem Text, den ich meinem Roman „Tod in Genua“ (Rotpunktverlag, Edition Blau, Zürich, 2019) vorangestellt habe, schliessen. Er stammt vom grossen Genueser Cantautore Fabrizio de André und lautet:

E come tutte le più belle cose,

vivesti solo un giorno,

come le rose.

(Wie alle schönsten Dinge,

lebtest auch du nur einen Tag,

wie die Rosen)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Romana, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich habe zu danken, lieber Walter.

5 Fragen an KünstlerInnen:

Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Bücher

Foto_Anna Positano

18.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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