„Das Palais muss brennen“ Mercedes Spannagel. Roman. Kiepenheuer&Witsch Verlag

Sie treffen sich im Cafè. Zu dritt. Ihr Mops ist mit. Heißt Marx. Der Mops muss sein, da der Windhund Saison hat bei der Bundespräsidentin. Und die Bundespräsidentin ist die Mutter von Lu. Lu, die jetzt mit Jo in seine Wohnung geht. Joint, Sex, Gespräche. „Danke, ich liebe Dich“ als Post-it an der Wand am Morgen. Dann geht es in die Sonne.  „Als Individuen können wir die Welt nicht retten“. In den Tag. Mit Marx…

Dann das Cafè Kino und Lili. Amore. Darauf die Jagd. Am Wochenende. Sonnenbrille und Schatten. Waffenschrank und Bar. Spaziergang außerhalb der Schusslinie mit TT. Erinnerungen an Vokuhila und Dutt. Das Wissen über Vater und Mutter. Burschenschaft und Rechtspartei – „Ich sagte, dass ich lieber kein rechtes Gedankengut in mir hätte.“

Und es geht weiter durch Tag und Nacht. Augenblick um Augenblick. „Und was ist das mit uns?“ Wir sind da. Das ist genug. Das ist viel…

Die österreichische Autorin Mercedes Spannagel öffnet mit Ihrem fulminanten Romandebüt „Das Palais muss brennen“ neue Wege moderner Literatur. Wenn das Leben noch einen Funken hat, dann muss die Sprache dafür brennen. Und es hat Funken, die sprühen, leuchten wie verglühen. Die Lebenswelt wird zum Tanz des Wortes. Der Text wird zur Flamme von Gedankenwelt und Realität in allen Erfahrungen, Widersprüchlichkeiten und Sehnsüchten.

Die Autorin verbindet in dieser selbstbewussten formalen Struktur kritischen Persönlichkeits- wie Gesellschaftsblick. Erfahrung als Fragment und Flüchtigkeit wird als Mitte von Sinn und Zeit gesetzt. Rasanz und Fragen bleiben in allem. Eine Generation am Weg. Und die Sprache am Weg dazu. Ein beeindruckender spannender literarischer Kunstgriff. Mercedes Spannagels Sprache ist ein glühendes Eisen, dass sie direkt aus dem verzehrenden Feuer einer Generation holt und in die Hornhaut der Gegenwart brennt.

Mercedes Spannagels genialer Roman sagt uns mit jedem Wort: Wenn das Leben noch einen Funken hat, dann muss die Sprache dafür brennen. Und das tut sie hier. Und wie!“

Walter Pobaschnig 10_20

https://literaturoutdoors.com

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