„Literatur beschreibt die Welt, und sie kann das auch komplexer als im Vampir- und Kettensägen-Epos“ Martina Bergmann, Schriftstellerin_ Borgholzhausen_30.9.2020

Liebe Martina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie immer: Ich stehe um ungefähr halb acht Uhr auf, trinke Kaffee und erledige etwas Hausarbeit. Ich müsste um neun Uhr im Buchladen sein, was aber nie so ganz auf den Punkt klappt. Egal, schließlich bin ich da der Chef. Ich packe die Warenlieferungen aus, fahre den Computer hoch und gehe nochmal kurz außer Haus, um mit dem Nachbarn weiter Kaffee zu trinken. Bis um zehn lese ich Zeitung oder schaue an die Wand. Und dann geht der Tag los. Ich bediene Kunden und schreibe Seiten. So gegen neunzehn Uhr wundere ich mich, dass ich tatsächlich ungefähr erledigt habe, was für den Tag anlag. Dann fahre ich nach Hause und bin privat.

Martina Bergmann 2

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 Dass wir uns nicht verdrießen lassen. Wir haben immer noch Strom, Wasser, Telefon und genug zu essen im Kühlschrank. Solange das gegeben ist, rege ich mich aus Prinzip nicht auf und bekomme auch schlechte Laune, wenn andere es mit ihrem Gemecker übertreiben.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur beschreibt die Welt, und sie kann das auch komplexer als im Vampir- und Kettensägen-Epos. Da wir in aufregenden Zeiten gehen, freue ich mich auf weniger langweilige Bücher. Ich gebe mir auch wirklich Mühe, selbst keinen Blödsinn zu schreiben.

 

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade verschiedene Bücher von Frauen, die an der Seite eindrucksvoller Männer gelebt haben, zum Beispiel Karola Bloch und Marlene Hobsbawm. Und die sind auch jeweils eindrucksvoll! Das ist für meine Arbeit. Und privat amüsiere ich mich mit Lily King, Writers & Lovers. Da geht es ja um eine Frau, die um absolut jeden Preis Bücher schreiben will. Als ich fünfzehn war, wollte ich selber auch schon mal Schriftstellerin werden. Papa hat mir dann einen Job beim Haller Kreisblatt organisiert. Morgens die Zeitung austragen. Man musste dazu um vier Uhr oder so aufstehen. Er meinte, wieso, ist doch mit Geschriebenem. Ich meinte, ich mach garantiert nie wieder eine Arbeit, wo man so früh aufstehen muss und wurde erst mal Buchhändlerin. Im Buchhandel zu arbeiten, heißt nämlich auch (Nebeneffekt), man muss um neun oder zehn da sein. Als ich bei Thalia war, sogar oft erst um halb zwölf. Das fand ich toll. Ich bin gar keine Langschläferin, aber ich mochte den Verlauf eines Arbeitstages, der nicht so früh zu Ende ist. Ich schreibe meine Bücher auch eher nachmittags und abends.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 Das Leben ist schön.

Vielen Dank für das Interview liebe Martina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Martina Bergmann, Schriftstellerin

9.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s