„Kunst und Literatur sind vielleicht auch Orte des Trostes“ Kaska Bryla, Schriftstellerin _ Wien 27.9.2020

Liebe Kaśka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach über zwei Monaten eines komplizierten Covid-19-Verlaufs, ziehe ich jetzt seit Wochen eine Krähe groß. Sie stand plötzlich da, verirrt und verwirrt. Ich hatte bisher keine Ahnung von Vögeln. Mein Mitbewohner, der Tierarzt ist, sagt sie sei im Teenageralter. Übrigens heißt sie Karl. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr, wie es zu dieser Namenswahl kam. Ihr Geschlecht kennen wir nicht.

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Auch Tiere sind ja als Teenager sehr eigen. Jetzt, da es so heiß ist, hat Karl zwei Lieblingsbeschäftigungen: Mit offenem Schnabel im Schatten schlafen oder mich von der Arbeit abhalten. Auf den Laptop einhacken, über die Tastatur laufen, sich auf meinen Kopf setzen, meine Haare kämmen oder nach Essen schreien, das sie zuerst im Kropf, dann in Blumentöpfen versteckt.

Seit Karl ist mein Blick sehr oft in den Baumwipfeln, wo ich nach ihr suche, wenn sie nicht um mich herum hüpft.

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Im August erschien mein Debütroman „roter Affe“ im Residenz Verlag und im Oktober kommt die sechste Ausgabe der Literaturzeitschrift PS – Politisch Schreiben heraus. Ihr Thema ist das Prosadebüt. Für beide Projekte bin ich gespannt, was der Restsommer und Herbst ihnen bieten wird.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Pandemie ist ja noch nicht vorbei. Was für unterschiedliche Auswirkungen sie auf unsere Leben haben wird, im einzelnen wie im kollektiven, wird sich erst zeigen. Jetzt heißt es noch aushalten, durchhalten und den Humor nicht verlieren. Trotz allem.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, die Kunst und die Literatur werden die Rolle haben, die sie immer haben: Orte der Reflexion, der Kritik, der Kreativität, Orte an denen man miteinander lacht oder sich streitet. Vielleicht auch Orte des Trostes.

Was liest Du derzeit?

Vor mir aufgestapelt liegen:

Sharon Dodua Otoo „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…“, Jamal Tuschick „Bis zum Ende der B-Seite“, Ika Elvau „Identitätskrise 2.0“, Marion Messina „Fehlstart“, Lene Albrecht „Wir, im Fenster“, Raphaela Edelbauer „Das Flüssige Land“, Ivana Sajko „Familienroman“, Maxim Biller „Sechs Koffer“, Sabine Scholl „O“, Sylwia Chutnik „Weibskram“, Nora Wicke „Vierstromland“, Alex Riedel „Sonne Mond Zinn“, Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“, Christine Koschmieder „Trümmerfrauen“, demnächst auch „Die Sommer“ von Ronya Othmann.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Beständigkeit ist die letzte Zuflucht des Fantasielosen.

Vielen Dank für das Interview liebe Kaśka, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Danke dir für diesen schönen Blog!

5 Fragen an KünstlerInnen

Kaśka Bryla, Schriftstellerin

https://www.kaskabryla.com/

Fotos_privat

10.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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