„Solidarität mit denen zeigen, die durch den Rost des Systems fallen. Nichts ist selbstverständlich“ Babett Arens, Schauspielerin _ Wien 10.9.2020

Liebe Babett, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mir während der Coronazeit das Bein gebrochen habe, fängt der Tag erst mal mit ein paar Radfahrübungen im Bett an- sonst kann ich gar nicht aufstehen- da mein Fuß durch 8 Wochen zwangsstillhalten vollkommen steif geworden ist.

Sonst muss ich sagen, dass ich im Moment einen viel anstrengenderes Pensum habe als zu normalen Zeiten, da ich auf Grund von Corona beschlossen habe, ein eigenes kleines Festival im Freien ( WähringerInnnen spielen im Türkenschanzpark) auf die Beine zu stellen. Für dieses Festival inszeniere ich auch ein halbstündiges Stück von Anton Tschechow, „ Der Heiratsantrag“ an dem wir jetzt jeden Tag für die Premiere arbeiten. Somit ist mein Tag zur Zeit mehr als ausgefüllt. Das hat auch damit zu tun, dass wir alle nicht wissen, wie es mit der Theaterarbeit im Herbst weitergeht. Deswegen wollte ich wenigstens im Sommer noch eine schöne kulturelle Veranstaltung auf die Beine stellen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde es sehr wichtig, sich klarzuwerden, ob und wie sich unser System in diesen Krisenzeiten bewährt. Und was für ein Glück viele von uns- trotz aller Schwierigkeiten- haben, in einem Sozialstaat zu leben. Mit einem intakten Gesundheitssystem. Das uns klar wird, an welchen Stellen NIE wieder gespart werden darf! Und wo mehr investiert werden muss! Es ist wichtig, sich darüber klar zu sein und Solidarität mit denen zu zeigen, die durch den Rost des Systems fallen. Nichts ist selbstverständlich.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich habe da wirklich keine Ahnung- wir stecken ja mittendrin…

Was ich an mir sehr schnell gespürt habe, dass ich mit der Verschiebung der Kunst in die sozialen Medien große Schwierigkeiten habe. Das hängt natürlich  einfach auch mit meinem Alter zusammen.

Aber mir kam diese Verschiebung teilweise wie ein verzweifeltes Rudern von Ertrinkenden vor. Es hatte etwas Unwürdiges…

Wenn es denn so sein sollte, dass Kunst nur noch virtuell genießbar sein kann-  dann müsste dafür ein ganz neues Konzept erschaffen werden- eines, dass alle erreichen kann- das entsprechend aufbereitet ist- eines, das vielleicht die verschiedenen Kunstrichtungen verbinden kann. Aber nicht einfach persönliche Zustandsberichte im Netz…

Sonst bin ich gerade sehr glücklich, dass man Kultur zur Zeit wieder ein bisschen live genießen kann. Man spürt die Besonderheit- das sollte irgendwie erhalten bleiben. Kultur ist Nahrung für die Seele- wichtiger den je…

 

 

 Was liest Du derzeit?

Leider viel zu wenig. Tageszeitungen und wenn ich es am Abend schaffe, lese ich von Andreas Pittler: Bronstein, sein vergessener Fall.

 

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nutze und genieße die verlangsamte Zeit, sie vergeht viel zu schnell.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Babett, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kulturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Babett Arens, Schauspielerin

Aktuelles

Foto_privat

 

29.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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