„Weiterschreiben und weiter davon träumen, dass es wieder eine Zeit der Umarmungen und der vollen Kinos, Theater und Konzertsäle geben wird“ Gabriele Kögl, Schriftstellerin_Wien 22.8.2020

Liebe Gabriele, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufwachen und hoffen, ich hätte das ganze Corona-Zeug nur geträumt. Dann die Nachrichten einschalten und feststellen, dass der Albtraum erst anfängt. Dann nicht aufräumen, nicht putzen, nichts aussortieren und nichts kochen. Jeden schönen Tag nützen, an dem ich zum Wirt’n gehen kann und er mir im Gastgarten etwas servieren darf. Und: weiterschreiben, administrieren und weiter davon träumen, dass es wieder eine Zeit der Umarmungen und der vollen Kinos, Theater und Konzertsäle geben wird.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Keine Ahnung, für jeden wohl etwas anderes. Ich erlebe immer wieder Menschen, die in eine regelrechte Corona-Idylle verfallen sind: Biedermeierliches Kochen und Spazierengehen, keine Menschen außerhalb der Familie mehr treffen. Nirgendwo mehr hinfahren, nicht einmal an einen See. Ich mochte mein Leben vor Corona: Nach dem Schreiben ins Kaffeehaus gehen, Freunde und Freundinnen treffen und vor allem Kino, Theater, Lesungen besuchen. Ich finde es befremdlich, wenn das jemandem nicht fehlt. Und mir wird fremd, wer die Sehnsucht danach nicht hat.

 

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein, und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Subversiv zu bleiben. Immer! Alles in Frage zu stellen, auch jetzt, auch das scheinbar Selbstverständliche, Logische, Unzweifelhafte.

Kunst ist der schmale Grat zwischen Zweifel und Verschwörung.  

 

 Was liest Du derzeit?

„Schäfchen im Trockenen“  von Anke Schelling, und „Von schlechten Eltern“ von Tom Kummer.

 

 Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther gesagt haben. Und wenn er es nicht gesagt hat, so pflanze ich trotzdem eines. An jedem Tag, der hoffnungslos scheint.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Gabriele, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Gabriele Kögl, Schriftstellerin

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=5389

Foto_privat

 

21.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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