„Wir brauchen jetzt bessere Bühnen-Publikum Ideen – wir sind ja keine Kunstroboter“ Clara Frühstück_ Pianistin_Performerin_Wien 29.6.2020

Liebe Clara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin nun seit ein paar Tagen wieder in Wien und es ist mir gerade ein großes Bedürfnis all meinen lieben Freunden wieder zu begegnen.

Mein letztes Konzert war am Weltfrauentag in Linz. Danach ging’s weiter nach Frankfurt zu meinem Mann und den zwei Katzen und dort blieb ich dann im Endeffekt die letzten drei Monate.

Ich bin also jetzt mal am „Wien-Zeit-Aufholen“ – gehe spazieren, fahre mit dem Rad durch Wien, schaue mir wieder meine Lieblingsplätze an, etwa die Löwen am Donaukanal. Ich liebe Wien. Es ist mein Zuhause.

Trotz all den sozialen Kontakten behalte ich meine täglichen Rituale wie Yoga, Meditation als fixe Bestandteile auch in meiner Wien-Zeit bei.

Der künstlerische Austausch, dieses gemeinsame „Spinnen“ mit KollegInnen, mit denen ich in Wien zusammenarbeite, hat mir schon sehr gefehlt. Und nun beginnt auch da wieder „Leben reinzubekommen“. Es gibt diverse Meetings für verschobene Musikprojekte.

Auch wieder in meiner Wienwohnung, bei meinem wunderschönen Bösendorfer zu sein, berührt mich mehr als ich dachte. Es war geplant, dass wir uns 10 Tage nicht sehen, aber dass ich meinen „Hengst“ (mein Klavier) dann so lange alleine lasse, war ja nicht geplant. Jetzt nähern wir uns wieder an und er kriegt viel sanftes Streicheln von mir (lacht).

 

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die letzten drei Monate haben mir besonders gezeigt, wie hilfreich es sein kann, immer wieder auszusteigen aus dem Gedankenwirrwarr aus Vergangenheit & Zukunft, Ängsten & Sorgen. 

Ängste sind kontraproduktiv – Im Leben und auch in und für meine Kunst.

Sehr hilfreich ist – jetzt und immer – sich nicht zu viel um die Zukunft zu sorgen und somit der Angst Raum in Kopf, Körper und Gemeinschaft zu geben.

Es ist sinnlos sowohl zu viel in der Vergangenheit zu hängen als auch sich zu viel um die Zukunft zu sorgen.

Im Moment zu sein und in Bewegung zu bleiben…

Dazu passt vielleicht ein Zitat von Bernstein, das ich unlängst gelesen habe:

„Das Ziel ist mir nichts, die Bewegung ist alles.“

 

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass diese Distanz, dieses Sich-Aus-Dem-Weg-Gehen nicht zum Normalzustand wird!

Auch was die Kunst betrifft, brauchen wir bessere Ideen als zum Beispiel dasselbe Programm mit „geteiltem Publikum“ zweimal hintereinander zu spielen. Das lehne ich wirklich ab. Wir sind ja keine Kunstroboter.

Ich will ein-mal auf die Bühne gehen und dann alles geben.

Ich bin keine Prophetin und kann keine Voraussagungen machen, aber was ich weiß – für mich persönlich – ist, dass ich weiter Musik und Kunst machen möchte.

Tja, keine Ahnung woran auch ich mich noch alles gewöhnen werde (müssen), um meine Kunst weiterzuleben, weiterzugeben.

Aber darüber denke ich jetzt mal besser noch nicht zu viel nach!

 

 

Was liest Du derzeit?

Was ich gleich zu Beginn sagen möchte: Ich bin so unglaublich dankbar, was es für geniale Bücher auf dieser Welt gibt.

Auf meiner sechsstündigen Zugfahrt nach Wien las ich Connie Palmen, Die Gesetze & Jerzy Grotowski, Für ein armes Theater.

Um noch ein paar AutorInnen zu nennen, die mich die letzten Monate begleitet und begeistert haben: Sarah Kane, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Ferdinand Schmalz oder Jan Fabre.

 

Ich schätze besondere, spezielle, kunstvolle Sprache sehr.

Da fällt mir natürlich auch der liebe John Cage ein. „Lecture on nothing“ lese ich immer wieder gerne.

Und wenn ich einen wirklich spannenden Roman in die Hand bekomme, lese ich (fast) bis zur Sehnenscheidenentzündung (lacht). Das ist mir jetzt passiert bei “Das achte Leben“ von Nino Haratischwili. 1300 Seiten ein paar Stunden in Händen zu halten ist wirklich nicht zu unterschätzen! Diverseste andere Bücher am Bauch als Unterlage & Pölster da und dort um weiterlesen zu können waren notwendig. Denn aufhören kann ich dann meist wirklich nur schwer.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 

Nichts ist ewig

(Nur das Nichts) – Sarah Kane

 

Vielen Dank für das Interview liebe Clara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Performance Projekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Clara Frühstück, Pianistin, Performerin 

http://www.clarafruehstueck.com/

Foto_Station bei Bachmann_Walter Pobaschnig_6_20

 

9.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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