„Theater und Kunst stellen die relevanten und schmerzhaften Fragen “ May Garzon, Schauspielerin_Wien 28.6.2020

Liebe May, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Einen klassischen Tagesablauf gibt es bei mir sowieso nie. Ich habe aber in den letzten Jahren meiner Selbstständigkeit begonnen, zumindest einen halbwegs gleichbleibenden Rhythmus zu etablieren, weil ich dann einfach produktiver bin und es meiner Psyche auch besser damit geht. Da ich gerade umgezogen bin, waren meine letzten Wochen mit dem Umzugswahn gefüllt, nebenher der bürokratische Wahnsinn und stundenlange Gespräche mit Ministerien und meiner Steuerberaterin. An viele Infos (bzgl. Grenzüberschreitung, Quarantäne, Bedingungen des Härtefallfonds etc.) kam man nur sehr schwer ran. Wirklich Zeit zum Durchatmen hatte ich seit dem“ Lockdown“ eigentlich nicht und wenn, dann habe ich die Zeit genutzt um mich kritisch mit der aktuellen Lage auseinanderzusetzen und zu recherchieren. Für Kreativität ist momentan leider kaum Raum. In den nächsten Tagen sollte der Einrichtungswahn aber zu Ende gehen und dann möchte ich meinen neuen Balkon bepflanzen, wieder Musik machen und gerne auch wieder schreiben.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es gibt so vieles, was gerade wichtig ist und es kommt ganz darauf an, wie man „uns alle“ definiert. Wenn man es global betrachtet, dann ist es auf jeden Fall Zusammenhalt und die große Frage wie wir in die Zukunft gehen wollen. Als ich die Fragen gestellt bekommen habe, gab es „nur“ Corona und den Lockdown, mittlerweile ist die gigantische „blacklivesmatter“ Bewegung dazu gekommen. Ich denke das zeigt sehr deutlich, dass wir uns in einer sehr brisanten Zeit befinden. Es gibt gerade sehr viele Fragen, die wir uns als Menschheit stellen müssen. Wie wollen wir weiter machen und was muss sich ändern? Ich sehe eine gewaltige Chance, Missstände aufzuzeigen. Wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, mit der Natur und vieles mehr.

Ansonsten ist es glaube ich gerade sehr wichtig wachsam und kritisch zu bleiben, nicht alles zu glauben und auch nicht alles mit sich machen zu lassen. Und vor allem eine gewisse Offenheit für andere Meinungen und Perspektiven beizubehalten.

Dankbarkeit ist auch ganz wichtig momentan. Nach innen zu schauen und zu sehen, was man alles hat und wie viel man eigentlich gar nicht braucht. Auf was man vielleicht auch weiterhin verzichten kann. Wir haben sehen dürfen, wie schnell sich unsere Umwelt erholt, wenn wir mal zurück treten. Das darf nicht gleich wieder alles verloren gehen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?

Wesentlich für mich persönlich und auch für die Gesellschaft wird glaube ich, wie schon erwähnt, sein, dass wir uns fragen, wie wir gemeinsam weiter gehen wollen

Das Theater und die Kunst sind in meinen Augen wie immer dafür da, genau die relevanten und im Idealfall schmerzhaften Fragen zu stellen, die es braucht um eine Gesellschaft zu verändern. Wir brauchen Kunst also jetzt gerade ganz besonders.

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 Was liest Du derzeit?

Zeit zum Lesen habe ich leider viel zu selten, aber an den paar freien Tagen, die ich hatte, habe ich begonnen „Das Astrologiebuch“ zu lesen, das schon seit Jahren ungelesen in meinem Schrank liegt. Bei meinem Umzug ist mir aufgefallen, dass es viel zu viele ungelesene Bücher bei mir gibt. Jedenfalls fand ich Astrologie immer schon wahnsinnig spannend, um Zusammenhänge zu verstehen.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt eine extrem starke Kraft für die die Wissenschaft bisher noch keine Formel gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet, sie regelt und die sogar hinter jedem Phänomen steckt, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist Liebe. […] Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle über die anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gestellt haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren. Denn wir wollen, dass unsere Art überleben soll. Wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlende Wesen, die sie bewohnen retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort. Vielleicht sind wir noch nicht bereit eine Bombe der Liebe zu bauen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, alles was den Planeten plagt an Hass, Selbstsucht und Gier zu zerstören. Allerdings trägt jeder einzelne in sich einen kleinen aber leistungsstarken Generator der Liebe, dessen Energie darauf wartet befreit zu werden.“ Albert Einstein

 

Vielen Dank für das Interview liebe May, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

May Garzon, Schauspielerin

http://www.maygarzon.com/

Fotos_Station bei Bachmann_Wien 6_20

 

8.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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