„Die Chance etwas zu verändern, endlich Auf- und Auszubrechen war selten größer“ Lisa Habermann, Schauspielerin_ Volksoper Wien, 27.5.2020

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesrhythmus hat sich sehr in Richtung Abend/Nacht verlagert. Wenn ich es nicht schaffe um 23:00Uhr ins Bett zu gehen, bekomme ich einen kreativen Schub, eine Art Aufregung, die mich bis spät nachts wach hält. Ich liebe die Ruhe der Nacht. Den Pflichten des Tages enthoben, habe ich große Freude daran, zu arbeiten. Mit meinen Gesangsübungen muss ich allerdings bis zum nächsten Morgen warten, leider.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die Dinge die uns eigentlich gut tun, drängen sich in der erzwungenen Leere regelrecht auf. Wenn man es erst geschafft hat, alle Schuld nicht arbeiten zu können, wie man es gewöhnt ist, abzulegen, entsteht der Raum im Kopf um Ideen oder lang ersehnte Wünsche wahrzunehmen. Oder man bemerkt, welche Dinge man zu lange aufgeschoben, sich aufgehoben hat, was es zu klären gibt. Wenn man diese Situation gut für sich nützt, bringt man sich so, Schritt für Schritt bei, sich selbst, aus eigener Kraft, zu helfen.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst an sich zu?

Ich komme aus dem Bereich des Musiktheaters und meines Empfindens nach, stand hier schon lange eine Veränderung an, eine Entwicklung oder viel mehr ein Umdenken. ‚Musical‘ ist Teil der Unterhaltungskultur und wurde, meiner Meinung nach, leider des Öfteren eher als Quoten Verbesserer missbraucht und DAS, was die Kunst der Unterhaltung ausmacht ist es, die Menschen zu berühren. Man darf die Theaterbesucher nicht als die Masse verstehen, die es zu unterhalten gilt und sich anmaßen zu wissen was ‚Man‘ sehen möchte, sondern sich wieder darauf besinnen was ‚Man‘ als einer von Allen, erzählen möchte, welche Geschichte uns gerade Jetzt besonders berührt, oder entlastet, oder mitfühlen lässt. Wir wollen alle Fühlen. Das wurde in den letzten Wochen doch sehr klar. Wir suchen nach Empfinden, nach Zusammenhalt, Gemeinsamkeit, Verbundenheit und einer spannenden neuen Perspektive. Die Chance etwas zu verändern, endlich Auf- und Auszubrechen war selten größer.

 

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Was liest Du derzeit?

Ich habe mich natürlich mit Ingeborg Bachmann beschäftigt und nach – „Der gute Gott von Manhattan‘- angefangen Ihre Liebesbriefe an und von Paul Celan zu lesen genannt – „Herzzeit“ –

Ebenso eine Einführung und Interpretation der Arbeit von Kafka und die Kurzgeschichte – Leben und Schreiben –

Sowie – Haben und Nichthaben – von Ernest Hemingway

 

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Meine Mutter hat mich gestern mit einem wunderschönen Zitat von Ingeborg Bachmann beschenkt.

„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“

Also: Back to school, sag ich nur.

 

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen: 

Lisa Habermann, Schauspielerin

https://www.volksoper.at/volksoper_wien/ensemble/solisten/Habermann_Lisa.de.php

 

20.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Alle Fotos_Station bei Bachmann_Romanschauplatz „Malina“_5_20_Walter Pobaschnig

 

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