„Wir sind alle systemrelevant“ Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Wien 26.5.2020

Liebe Isabella, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ohne Wecker aufstehen, meinen Basilikum gießen, meistens Kaffee trinken und eine Runde laufen gehen, ich lese zurzeit viele Zeitungsartikel und schaue mir viele Dokus an über Raum und Zeit, das beamt mich woanders hin und ich merke wie klein wir eigentlich sind und dass es so viel gibt, das wir nicht wissen, das beruhigt mich seltsamerweise dann auch wieder sehr, weil es vieles so zunichte macht. Ich entwickle Ideen für neue Projekte und koche sehr viele Rezepte mit Teig, weil ich schon immer mal wissen wollte wofür ich glattes und wofür ich griffiges Mehl verwenden muss.

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für uns alle besonders wichtig ist, kann ich nur schwierig beantworten, weil ich nicht in die Menschen hineinschauen kann, aber von mir gesprochen: Wichtig sind natürlich Solidarität und Aufmerksamkeit, aber auch unbedingt Skepsis. Nicht nur hinnehmen, sondern auch kritisch hinterfragen und Haltung zeigen. Wir sind alle systemrelevant.

 

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In Deinen Produktionen mit dem E3 Ensemble Wien wie dem aktionstheater ensemble geht es wesentlich um den Menschen in seinen An-Herausforderungen angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen und Gegebenheiten. Das Denken, Fühlen und Handeln der/des Einzelnen wird thematisiert. Welche Bezüge bzw Impulse ziehst Du jetzt daraus für einen gelingenden Lebensalltag in Zeiten der Pandemie?

Ich merke, dass mir dieses „ruhig-sein“ auch meine Stimme und mein Mitspracherecht an der Gesellschaft nimmt oder zumindest eingeschränkt wird und ich das Bedürfnis hätte viel lauter zu sein. Die Ungleichheiten, die es bisher innerhalb unserer Gesellschaft gab, sind nicht erst durch die Krise entstanden, sondern kommen durch sie ans Tageslicht und mir ist wichtig, mich dazu zu äußern. Normalerweise geschieht das durch die Theaterperformances beim E3 Ensemble und beim aktionstheater ensemble, aber das liegt zurzeit still. Die kritische Betrachtung der Gesellschaft und Politik ist jedenfalls etwas, das sich in meinen Gedanken und Gesprächen als Kraft erweist, aus der ich auch sehr viel künstlerische Energie schöpfen kann. Nur weil wir gerade nicht auf der Bühne stehen, heißt es nicht, dass es in uns nicht stürmt und arbeitet. Die Produktionen, die nach dieser Zeit zur Uraufführung kommen werden, werden mit Sicherheit eine besonders intensive Energie aufweisen.

 

Was liest bzw siehst Du derzeit?

Ich habe vor kurzem „Die Liebhaberinnen“ von Eflriede Jelinek fertig gelesen und lese jetzt „China am Ziel! Europa am Ende?“ von Christoph Leitl.
Und ich schaue gerade auf ARTE die Dokureihe: „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“ über die Entstehung des Universums bis hin zur Fragestellung nach Raum und Zeit und Illusionen.

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinen Produktionen möchtest Du uns mitgeben?

„Manchmal schaue ich die Politikerrede und den Porno. Gleichzeitig. Da die Politikerrede, da der Porno.“ HEILE MICH, aktionstheater ensemble

 

Vielen Dank für das Interview liebe Isabella, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Isabella Jeschke, Schauspielerin, Regisseurin

http://www.isabellajeschke.com/

 

Foto_Isabella Jeschke _ in literarischer Fotoinszenierung „Ungargassenland“ _ Roman „Malina“ Ingeborg Bachmann_Wien 12.5.2020.

Foto_Walter Pobaschnig.

 

13.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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