„Now is the time to take time. Or forever like that …“ Akemi Takeya, performer, choreographer_Wien 18.5.2020

Liebe Akemi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zwischen 7 und 8h wache ich auf. Dann lese ich. Ich habe immer Zeitungen und Bücher um mich. Ich sehe auch manchmal gleich ins Internet, um Nachrichten zu lesen, ORF, aber auch was gerade in Japan passiert.

Für mich persönlich ist es wichtig zu verstehen, was das Corona Virus ist und dabei möglichst verschiedene Aspekte von Medizin, Wirtschaft bis zu Politik zu beachten und aufzunehmen. Das betrifft die ganze Welt – aber speziell für mich Japan. Darüber informiere ich mich, etwa mit Fernsehsendungen oder Fachartikeln. Das ist mein tägliches Corona-Training (lacht).

Das Klavierspiel ist ebenso fixer Bestandteil des Tages. Jeden Tag gehe ich auch einkaufen in den Supermarkt. Das ist ein Ritual. Dann koche ich – also richtig, etwa Schweinsbraten. Ich habe dazu Kochbücher, auch das Internet verwende ich für Rezeptanregungen. Das tägliche gute und viele Kochen ist mir sehr wichtig.

Abends sehe ich einen Film oder eine Dokumentation. Schlafen gehe ich aber sehr spät – zwischen 2 und 3h.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass alles so wird wie vor der Corona-Krise. Es wird um etwas Neues gehen und ich bin sehr neugierig was da passieren wird.

Ich denke, wir sind in einem Prozess der Reinigung. So wie wir jetzt das alte Gewand wegwerfen, werden wir es auch persönlich und in der Gesellschaft tun müssen.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

 Ich frage mich jetzt, wo ist mein Publikum und wer ist mein Publikum in Zukunft? Welche Wege muss meine Kunst gehen?

Kunst hat immer mit dem Ich zu tun, das ist der Ausgangspunkt und dann die Frage nach dem Weg zum Wir. Das „ Ich“ ist ein Japan ein fake und die Gesellschaft hat eine Maske. Die Ortsveränderung, mein Weg nach Europa war dabei ein wichtiger Schritt der Auseinandersetzung. Hier in Europa gibt es so ein starkes Ich, jeder sagt „Ich denke, Ich spüre“ – das sagen wir nicht in Japan und ich habe es hier auch noch immer nicht geschafft dies zu sagen. In mir kämpfen jetzt immer wieder diese zwei „Ichs“, jenes der Herkunft und jenes der Gegenwart. Das ist mein Schicksal.

Der Ausdruck der Sprache ist in diesem Prozess auch ganz wesentlich. Ich schreibe derzeit songs und konzentriere mich auf diese Möglichkeit.

Meine Kunst muss generell nach Ich und Wir fragen. Als inneren und äußeren Anspruch und dabei über bloße Ansagen in Reden hinausgehen. Das ist für Kunst an sich so.

 

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Was liest Du derzeit?

Japanese history from ancient times to modern times (Manga Version)

 

Welchen Impuls/Text aus Deinen Kunstprojekten möchten Sie uns mitgeben?

„To be capricious“ is the most essential universal force for my artwork: It leads to natural decisions by chance or impulse, not by logical needs or reasons. I can say that it is a magical remedy that could bring me provocative essence! Now is the time to take time. Or forever like that …“

„Kapriziös zu sein“ ist die wesentlichste universelle Kraft für mein Kunstwerk: Sie führt zu natürlichen Entscheidungen durch Zufall oder Impuls, nicht durch logische Bedürfnisse oder Gründe. Ich kann sagen, dass es ein magisches Mittel ist, die mir provokative Essenz bringen könnte! Gerade jetzt ist die Zeit, sich dafür Zeit zu nehmen. Oder für immer so …

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Akemi, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Akemi Takeya, Choreographer, Performer

http://www.akemitakeya.com/news

 

 

30.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig.

https://literaturoutdoors.com

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Cafe Prückel Wien, 30.4.20.

 

 

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