„Die bessere Geschichte“ Anselm Neft. Roman. Rowohlt Verlag.

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Mit zwei Jahren steht er am Grab der Mutter. Es bleiben Fotos und das Aufsteigen von starken inneren Bildern, die an Berührung und den Duft der Nähe erinnern in der Kraft des Verlustes, der Abwesenheit.

Der Vater war immer schon alt, ganz ohne Frohsinn. Die Emotion des Kindes überfordert ihn und das Kind stellt sich darauf ein. Der Schritt in die Welt draußen wird dann zur Überforderung. Alles zu laut und auch zu hinterhältig. Das Kindermädchen und der Vater bleiben die Bezugspunkte zur Welt. Die Schule wird zum ständigen Ringen, äußerlich und innerlich. Albträume bleiben davon…

Eines Tages sagt der Vater, die Mutter sei eine Nixe gewesen. Ein überirdisches Wesen ohne Seele – „Du hast ihr Blut in dir“.

Dann das Internat. Die Seele des Jungen blickt um sich. Zart, neugierig und zerbrechlich. Zum Gegenüber, zum Daneben, zum Oben. Zu Mitschülerinnen und dem Schulleiterpaar. Schwimmen, treiben. Keine Nixe und kein Wassermann. Seelenlos. Nur Tiefe und Macht. Ungeheuer. Tag für Tag. Nacht um Nacht…

Bis nach vielen Jahren diese verschlossenen Türen der Seele wieder geöffnet werden. Und im Gespräch kehrt die Gewalt, der Schmerz, die Hilflosigkeit zurück…und wie stark ist nun die Seele?  Und welchen Weg wird sie gehen? 

 

Der in Hamburg lebende Autor Anselm Neft, Studien der Religionswissenschaft, Ethnologie, Vor- und Frühgeschichte und Philosophie, legt mit seinem Roman „Die bessere Geschichte“ ein sprachlich wie inhaltlich fulminantes Drama im Kontext von institutionellem Missbrauch, Schuld und persönlicher Ohnmacht und Verdrängung vor. Neft versteht es einmalig fesselnd zu erzählen aber auch Leserin und Leser zu eigenem Nachdenken anzuregen. Spannung, Erschütterung und Reflexion. Das im Wort zu verbinden ist eine narrative Balance, die in diesem Roman meisterhaft gelingt. Der Autor zeigt was Literatur zu leisten vermag. Und das ist gewaltig viel. Es ist eine gute Geschichte.

„Es geht um Weg und Kraft des Lebens und die stumme Hölle darin. Einmalig erzählt“

Walter Pobaschnig 5_20

https://literaturoutdoors.com

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