„Nicht auf die vergessen, die jetzt nicht einmal die Möglichkeit haben, sich regelmäßig die Hände zu waschen“ Ines Birkhan, Schriftstellerin_Wien 2.4.2020

Liebe Ines, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gerade bin ich brotjobmäßig kurzfristig arbeitslos und viel mit meinen zwei Kindern zusammen. Das ist schön. Für das Schreiben bleibt auch jetzt wenig Zeit, aber daran ist mein Organismus gewöhnt und spinnt die Narrative wie ein Hintergrundrauschen weiter. An das lässt sich immer andocken.

Der Stresspegel ist, seit Covid-19 in Italien gelandet ist, hoch. Ich mache mir Sorgen um geliebte gefährdete Personen, mit einer solchen lebe ich unter einem Dach. Düstere Vorahnungen/Einbildungen plagen mich. Ich versuche mit Humor gegenzusteuern, das gelingt nur punktuell.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Genau beobachten. Vielleicht setzt dieser Virus einen Prozess in Gang, der das Diktat des Neoliberalismus aufweicht. Es könnten Pisten sichtbar werden. – Wahrscheinlich nur ein Wunschgedanke.

Ganz wichtig ist sicher, die Relativität der Miserie in Österreich im Auge zu behalten und nicht auf die zu vergessen, die jetzt nicht einmal die Möglichkeit haben, sich regelmäßig die Hände zu waschen oder Abstand zu halten, weil sie Geflüchtete sind und rechtlos eingepfercht verharren müssen. Stichwort Lesbos.

Auf persönlicher Ebene ist es wichtig, andere bei den eigenen emotionalen Talfahrten möglichst nicht mitzureißen und Rationalität walten zu lassen.

 

Welche Bezüge aus Deinen Literatur- und Kunstprojekten nimmst Du jetzt in die Bewältigung der aktuellen Situation mit und welche Rolle kommt der Literatur/Kunst in diesen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu?

 

Ich denke über den Tod nach. Über den Umgang unserer Kultur mit Tod.

Kunst ist immer wichtig! Aber es ist schön, wenn jetzt mehr Leute Zeit zum Lesen haben.

 

dav

 

 

 

Was liest Du derzeit?

 

Bruce Sterling – the caryatids

 

Welchen Textimpuls aus Deinen Literaturprojekten möchtest Du uns mitgeben?

 

Es gab eine Tür, aber nicht immer war sie sichtbar. Um zu eruieren, ob jemand von draußen zurückgekommen war oder nicht, musste diese Tür außer Acht gelassen werden. Ihr Öffnen und Schließen zu beobachten, erschien unmöglich, außer man trat selbst durch die Tür.

aus „abspenstig“ – aktuelles Romanmanuskript

 

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ines, viel Freude und Erfolg für Deine Literatur- und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ines Birkhan, Schriftstellerin, Tänzerin, Choreografin

Aktueller Roman von Ines Birkhan: „Untot, du geteilte Welt“ Roman, Bibliothek der Provinz, 2017

Website

http://www.inesbirkhan.com/

 

 

2.4.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Foto_Walter Pobaschnig _2019_Station bei Ingeborg Bachmann, 1030 Wien.

 

https://literaturoutdoors.com

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