„Station bei Bachmann“ Gespräch und Fotoporträt mit Lukas Meschik, Autor und Musiker, Bachmannpreisteilnehmer 2019

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„..so verdanke ich die Einheit des Ortes einem milden Zufall…“ schrieb Ingeborg Bachmann im Roman „Malina“, dessen Schauplatz wesentlich der 3.Wiener Gemeindebezirk ist – das „Ungargassenland“. Dieser „milde Zufall“ des Ortes trifft nun auch auf zwei der Wiener TeilnehmerInnen am diesjährigen Bachmannpreis in Klagenfurt zu. Ines Birkhan wie Lukas Meschik sind im legendären „Romanbezirk“ der namensgebenden Schriftstellerin des Hauptpreises der Literaturtage in Klagenfurt wohnhaft. Vom Ungargassenland nach Klagenfurt. Der milde Zufall der literarischen Topographie.

Doch das ist am Weg zum Treffpunkt mit Lukas Meschik, Schriftsteller und Musiker, Teilnehmer des Bachmannpreises 2019, noch längst nicht alles an Ungargassenland Überraschungen.

Neben dem Wohnhaus Bachmanns eröffnete 1974, wenige Monate nach dem Tod der Schriftstellerin, die erste Pizzeria Wiens, „Grado“. Eine Sensation damals. Sogar Grado-Urlaube konnten hier gebucht werden. Die Gemälde im Lokal sind nach 3 Gassen der Sonnenstadt an der Nordküste der Adria konzipiert. 3 Gassen, 3 Wege zum…schon hier umgibt wieder gleichsam literarische Mystik. Wien und Rom/Italien waren für die Schriftstellerin die wesentlichen Lebensmittelpunkte. In den letzten Jahren überlegte sie eine Rückkehr aus Rom nach Wien. Zu dieser kam es jedoch nicht mehr. Im milden Zufall der Einheit des Ortes ist es jetzt vielleicht doch so. Erstaunlich. Ungargassenland eben.

Und auch die Temperaturen passen heute zu Italien und natürlich zu Klagenfurt. Bei 30´ vormittags geht es weiter zum vereinbarten Treffpunkt. Es ist Anfang Juni und die erste Hitzewelle rollt an. Den Löwen am Haustor in der Ungargasse 9 scheint dies über Jahrzehnte von Jahreszeiten nichts auszumachen. Sie strahlen selbstbewusst in der Wiener Sonne.

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Als Lukas Meschik in der Ungargasse eintrifft, fällt sein Blick zum gegenüberliegenden „Cafe Malipop“, das der Wiener Liedermacher Ernst Molden in seinem gleichnamigen Song samt Fernet, Smart und Spezialtoast verewigt hat. Natürlich durfte auch Bachmann darin nicht fehlen, deren Geist zwischen den „blauen Blitzen“ der Straßenbahn wandelt.

Der Bachmannpreisteilnehmer erzählt über sein aktuelles Musikprojekt „Moll“, „ich schreibe die Texte und Lieder, wir sind vier Musiker, das erste Album sollte gegen Ende des Jahres erscheinen.“ Selbstgeschriebene Texte seien auch dabei sehr wichtig. Wiederholt kam es schon zu Verbindungen von Lesung und Konzert. Literatur und Musik gehören für Meschik, dessen erster Roman „Sirenen“ 2009 erschien, überhaupt eng zusammen. Der solitäre Prozess des Schreibens ergänze sich dabei mit der Bandarbeit sehr gut.

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Als wir das Haus mit den Löwen am Tor, dem Schauplatz des Romans „Malina“, betreten, frage ich den jungen Schriftsteller nach der Bedeutung von Orten in seinen Texten. „Diese spielen eine große Rolle“ sagt er am Weg in den weiten Innenhof, „es gibt Orte als Fixpunkte täglicher Begegnung, “, die auch künstlerisch inspirieren. „Ich beschreibe was ich sehe“, die Orte selbst, wie etwa die Bäckerei, seien aber bewusst „abstrakt“ gehalten, „es kommen keine Hausnummern in meinen Texten vor.“

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Wir folgen der Sonne zum beeindruckenden Hofbrunnen für die erste Fotostation. Ein wasserspeiender Fisch lässt über Symbolik im Schreiben nachdenken. „Wiederkehrende Motive, Bilder, Symbole“ begegnen auch in meinen Texten, erzählt Meschik. Mittelpunkt literarischer Komposition seien diese jedoch nicht. Filme schätzt der junge Autor sehr – „Die Konstruktion von Geschichten auf der Bildebene ist sehr spannend. Ebenso aber einfach das Genießen dieser besonderen Kunstform.“

 

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Am Weg in den Garten spricht Meschik über die Bedeutung der Prosa von Ingeborg Bachmann, die vor allem in den Anfangsjahren als Schriftsteller ein Bezugspunkt war. „Ich schätzte Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit einem Gesamtwerk, wenn Literatur gleichsam ein Marathon ist. Das ist ein Ideal, ein Vorbild.“ Meschik selbst veröffentlichte bis heute vier Romane und einen Erzählband. Der Text für Klagenfurt ist ein weiterer literarischer Projektpunkt. „Ich habe mein Notizbuch immer eingesteckt“ erzählt Meschik am schmalen Grünstreifen zwischen traditioneller und moderner Stadtarchitektur – „Sätze, Zeilen am Weg durch die Stadt, schreibe ich dabei auf.“

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Im wohltuenden schattigen Fluchtpunkt der Hausmauer spricht Meschik über das „Wechselspiel von Lesen und Schreiben“ in seiner Biographie – „der Impuls sich auszudrücken war früh da und es macht bis heute Freude.“ So sei auch das Lesen in Klagenfurt zu sehen – „es gibt keine Erwartung, ich habe einen Text, das ist gut für mich – es geht nicht um meinen Ehrgeiz und es ist wohl auch etwas ein Spiel von Zufall und Glück.“

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Jetzt wartet noch eine Überraschung auf Lukas Meschik. Der Besitzer der Pizzeria Grado überreicht den Bachmannpreisteilnehmer einen Gutschein für ein Abendessen für Zwei wie einen Blumenstrauß – herzlichen Dank für diese kulinarische Stärkung und die Blumenglückwünsche am Weg nach Klagenfurt!

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Alles Gute und vielen Dank, Lukas Meschik, für diese Begegnung am Weg zum Bachmannpreis!

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Walter Pobaschnig 11.6.2019

https://literaturoutdoors.com

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