„Der Untergang der Welt von gestern“ Wien und die k.u.k. Monarchie 1911-1919, Arne Karsten. Neuerscheinung Beck Verlag.

 

„Der Untergang der Welt von gestern“ Wien und die k.u.k. Monarchie 1911-1919, Arne Karsten. Neuerscheinung Beck Verlag.

Wien. 1911. Eine Millionenmetropole, in welcher Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft ganz neue Wege gehen, während das riesige Reich der Monarchie immer mehr zerbricht. Doch noch ist der Krieg weit und in den Salons der Stadt treffen sich Schriftsteller, Künstler, Musiker, Ärzte und suchen im Austausch und Fest Inspirationen und Ideen Raum zu geben. Und es sind auch Frauen, die im Bereich der Kunst, Mode, Literatur und Presse einen neuen Ort des Selbstbewusstseins und der Kreativität suchen und ihren Platz darin beanspruchen, finden und auch behaupten. Eine dieser Frauen ist Stephanie Bachrach, die Tochter eines aufstrebenden Kaufmannes aus Mähren, der nach Wien gezogen war und rasch den Aufstieg unter die bedeutenden wirtschaftlichen Protagonisten der Reichshauptstadt schaffte. Regelmäßige Urlaube in Bad Ischl mit Dienerschaft und Gesellschaftsdame unterstrichen dies deutlich. Sie kennzeichnen aber auch den Prestigedruck, dem Julius Bachrach schließlich auch erlag. Sein Selbstmord lastet schwer auf der Familie. Seine Tochter sucht nun eigene Wege zu gehen, um mit diesem Familiendrama zu leben. Morphium wird eine Zuflucht sein wie auch der Weg als Muse und Freundin in den Salons der Stadt. Einer Stadt und einer Zeit, die auf ihre letzten Tage zugeht, die auch für Stephanie tragisch enden sollten…

Arne Karsten, Historiker und Kunsthistoriker am Historischen Seminar der Bergischen Universität Wuppertal, legt mit „Der Untergang der Welt von gestern“ eine kompakte Zusammenschau der letzten Jahre der Donaumonarchie, des Ersten Weltkrieges wie der europäischen Neukonstitution vor. Der Autor geht dabei wesentlich von den Tagebüchern und Briefen Arthur Schnitzlers (Wiener Schriftsteller, Arzt) und dessen Kontakten zu wesentlichen Protagonisten der Wiener Moderne aus. Das tragische wie in vielem nur abrisshaft bekannte Leben von Stephanie Bachrach bildet dabei eine narrative Mitte, welche das Buch zu einem sehr persönlichen wie lebendigen Panoptikum der Zeit macht und Leserin und Leser spannend in die „Welt von gestern“ mitnimmt.

„Eine bemerkenswerte Einladung in eine Stadt, eine Zeit und ein Leben voll Wunder, Rätsel und Tragik.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 4_2019

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s