„Die guten Tage“ Marko Dinic. Roman. Neuerscheinung Zsolnay Verlag.

 

 

„Die guten Tage“ Marko Dinic. Roman. Neuerscheinung Zsolnay Verlag.

Ein junger Mann. Er sitzt im Bus. Salzburg – Nis. Es ist eine Rückkehr in seine Jugendtage, die er in dieser Reise antritt. Vom Tod seiner Großmutter in Serbien hat er zuerst über einen facebook Eintrag seines Onkels erfahren. Die Gesellschaft auf der Reise lenkt zunächst ab von den vielen Fragen und Fluchtpunkten zu Familie, Herkunft, Geschichte und Krieg. All das trägt er in sich. Schon all die Jahre…

Das rasche Vorbeiziehen der Landschaft Ungarns im Blick aus dem Fenster lässt ihn nun mehr und mehr an die Lebensstationen und die Leerstellen darin denken, zu denen er immer wieder zurückkehrt und die wie eine offene Wunde sind. Die Worte in den Sitzreihen und an den Raststationen zeigen ihm wie ruhelos und untot die gemeinsame Vergangenheit ist und wie stark die dunklen Bilder noch rahmenlos wirkmächtig sind. Er denkt jetzt an die Kindheit auf den Straßen Serbiens. An die Zeit der Bomben und des Krieges. An Vater und Mutter. An das stumme Mitgezogensein in jenen Tagen und das Leiden daran im Dort und Da und die endlosen Fragen…

Jetzt, auf dieser Reise, will er zu allen sprechen. Den Lebenden und den Toten. Den Geistern und den Menschen. Und jeder Meter der Autobahn ist damit vielleicht ein Stück Zukunft. Für ihn selbst. Für alle. Für die Lebenden und die Toten…da und dort.

Marko Dinic, Lesender bei den Bachmannpreistagen 2016, überrascht mit seinem Romandebüt „Die guten Tage“ als eine literarische Stimme, welche stilistisch in großer narrativer Beobachtungsgabe wie dichter direkter Erzählgewalt staunen lässt. Der Autor versteht es beeindruckend, textliche Dynamiken zu setzen, die Form und Inhalt stimmig verbinden und inspirieren. Der Wechsel von Beschreibung, Reflexion wie Dialog vollzieht sich in sehr direkter und spannungstragender Weise, der den inhaltlich emanzipatorischen Anspruch von Identität und Geschichte wirkungsvoll setzt.

„Ein Roman, der das erzählerische Pianissimo wie Crescendo einer modernen europäischen Höllenfahrt und persönlichen Spurensuche mitreißend zu setzen weiß.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 2_2019

https://literaturoutdoors.com

 

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