„Emilie Flöge. Geliebte Muse“. Maxi Blaha. Ein begeisternder Theaterabend im Belvedere Wien. 4.12.2018.

 

„Emilie Flöge. Geliebte Muse“. Maxi Blaha. Ein begeisternder Theaterabend im Belvedere Wien. 4.12.2018.

Der „Kuss“, „Judith“. Meisterwerke des gefeierten Wiener Künstlers Gustav Klimt (1862-1918) begleiten und beeindrucken am Weg in den Marmorsaal des Schlosses Belvedere. Sie stimmen ein. Türen zu verborgenem Leben hinter den glänzenden Farben machen jetzt neugierig.

Die Bühne ist reduziert. Eine Sitzbank vor dem Kamin. Fotos eines Lebens am Fassadensims. Eine Gitarre (Georg Buxhofer, ausdrucksstark und aufmerksam). Als sich die schwere Türe öffnet tritt Emilie Flöge, die Muse von Klimt, des gefeierten Kunststars seiner Zeit, ein. Selbstbewusst nimmt sie vor dem Kamin Platz und liest seine Todesanzeige. Seine letzten Worte galten angeblich ihr. Ein Ruf, ein Flehen oder ein letztes Kommando des Künstlers? Jetzt ist es Zeit zu erzählen. Das Leben zu benennen. Meins und seins. Unsere Talente, Antriebe und Umtriebe. Reden wir über Persönlichkeit in Beruf und Liebe. Von zwei Menschen. Wegen, gemeinsam und getrennt. Frau und Mann. Emilie Flöge und Gustav Klimt.

Die Wiener Schauspielerin Maxi Blaha schafft es mit ihrer Inszenierung und Darstellung von Emilie Flöge (1874-1952), der erfolgreichen Designerin, die im engen Kontakt und Austausch mit Klimt stand, in beeindruckender Weise Kunst-, Gesellschafts- und Lebensgeschichte der Zeit wie Spannungen und Brüche von Privat- und Berufsleben einer Frau zu öffnen und sich damit fulminant „dem Gold und Marmor“ von Tradition und Erzählung zu stellen. In atemberaubender Präsenz lässt Blaha das Publikum zu bedeutenden Lebensstationen, Ereignissen und Begegnungen Flöges reisen, die fasziniert und bewundernd still folgen lassen. Da trifft jeder Szenenwechsel in größter Darstellungskunst die Mitte von Emotion und Reflexion eines engagierten, kreativen – wie noch weitgehend unbekannten – Lebens für Mode und Kunst. Ein ganz großer Gänsehaut Moment sind an diesem Abend auch die französischen Chanson Melodien, die Sehnsucht und Zerbrechlichkeit eines Menschen einzigartig öffnen. Wunderbar auch die Sängerin Maxi Blaha (Eine Zugabe davon ist in Zukunft sehr wünschenswert). Die Inszenierung selbst bindet aber in ihrer Präzession von Biographie und Fragestellung immer auch auf Zeit und Gesellschaft grundsätzlich zurück. Die Frage nach Authentizität und Integrität in Phasen eines Lebens wird in mitreißender Darstellung auch zum epochenübergreifenden Spiegel des Menschen. Im direkten Anspiel findet dies eine pointierte Betonung, die augenzwinkernd beim Publikum ankommt. Stärke und Schwäche des Menschen. Marmor und nackter Stein.

Ein großartiger, außergewöhnlicher Theaterabend, der zeigt wie höchste Schauspielkunst begeistern und was Kunst auch leisten kann und muss. Nämlich Licht und Schatten im Leben zu erkennen und zu benennen. Besonders die großen, schweren, die so viel wunderbares selbstbewusstes Leben verdecken können. Damals wie heute. Maxi Blaha zeigt dies in ihrer Inszenierung des von ihr beauftragten Stückes der Londoner Autorin Penny Black eindrucksvoll. Und gibt im Belvedere „der schönen Aussicht“ eines Künstlerlebens das vielfältige eigenständige Leben um und mit ihm zurück, das es zu allen Zeiten für Kunst, Welt und Liebe braucht – merci!

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

https://literaturoutdoors.com

 

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