„So tun als ob es regnet“ Iris Wolff. Roman in vier Erzählungen. Otto Müller Verlag.

„Ein Roman, der viel von Stille und Aufmerksamkeit der Worte weiß und deshalb dem pochenden und blutenden Lebensherz von Generationen faszinierend in Gänsehaut nahekommt“

„So tun als ob es regnet“ Iris Wolff. Roman in vier Erzählungen. Otto Müller Verlag.

Krieg. 1915. Im Zug geht es an Dörfern, Feldern entlang. Alles sieht hier gleich aus, denn die Gedanken sind immer woanders. Fern von hier. Jacob liest es in den Briefen der Soldaten. Er entwirft die Menschentypen dazu. Die „Dichter“ führen ein Tagebuch und schreiben die längsten Briefe. Dann fallen Schüsse, doch Jacob kann nicht mehr töten. Mit einem Gedicht des Salzburger Dichters Georg Trakl im Kopf geht das nicht. Jetzt verändert sich alles. Das Leben kommt wieder näher, wie auch der Tod…

Elemer lebt allein. Es fehlt der Schlaf wie die Menschen um ihn. Es sind Nachbarn, die ihn besuchen. Es geht um Politik. 1930er Jahre. Die Zeiten ändern sich. Seine Tochter Alma lebt mit ihren Töchtern an der Schwelle dieser neuen Zeit. Henriette ist aufmerksam in allen. Sie ist zielstrebig und greift nach dem Leben. Sie besucht gern ihren Großvater Elemer, schätzt die „Gesellschaft der Schlaflosen“. Henriette wächst heran zwischen all den Erinnerungen und Tagen, die wie Regenwolken am Himmel ziehen…

  1. Die Mondlandung. Das Sterben hat jetzt noch etwas Zeit hier auf der Erde. Mit Liane beginnt der nächste Tag. Eine Reise steht bevor. Doch Hedda bleibt das Alleinsein und die vielen Gedanken ihrer Großmutter im Tagebuch. Auch der Ring von Henriette. „Trag` ihn“, sagte Sie. Lebenskreise schließen und öffnen sich. Schritte der Menschen und Menschheit in Traum und Staub…

Iris Wolff, Ernst-Habermann-Preisträgerin 2014, entwirft im vorliegenden Roman ein existentielles Kaleidoskop, in welchem in mehrfacher Spiegelung wechselnde Lebenswege sich drehen und zusammenfügen und als Muster eines Jahrhunderts erscheinen. Die Erzählfolgen werden zu einem Fernrohr, das Charaktere der Generationen freigibt, welche Lebensraum und Weg verbindet. Der Autorin gelingt eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Verdichtung der Sprache. Es ist keine spektakuläre Zeit- und Lebensrevue, die hier geboten wird, sondern eine Einladung lesend still wahrzunehmen was Leben war und ist. Beeindruckend.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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