„Die blinden Flecken der 68er-Bewegung“ Wolfgang Kraushaar. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

 

„Die blinden Flecken der 68er-Bewegung“ Wolfgang Kraushaar. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

  1. 50 Jahre danach. Dem Politikwissenschaftler an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kunst, Wolfgang Kraushaar, dessen Forschungsschwerpunkt moderne Protestbewegungen sind, geht es in seinem Buch über die „68er Bewegung“ nicht darum, „eine weitere Girlande“ zu flechten, wie er es in seiner Einleitung betont. Die facettenreiche Metapher „blinder Fleck“ meint dabei für den Wissenschaftler mittels neuen Dokumenten, Gesprächen und interdisziplinären Zugängen nähere Informationen zu Ereignissen, Motivationen und Persönlichkeiten der Zeit zu bekommen und so „klarer zu sehen“, um Wirklichkeit und Mythos unterscheiden zu können. Kraushaar ist aufgrund seiner umfangreichen Analysen und Studien, die bereits im unmittelbaren Folgejahrzehnt ihren Anfang nehmen, ein Zeitzeuge wie Experte, der gleichsam prädestiniert für diese Aufgabe kritischer Erinnerung und Perspektivität ist.

Kraushaar leitet sein Buch mit einer umfangreichen Darstellung der Fragestellungen derzeitiger Forschungslage angesichts neuer Dokumente und Thesen, etwa zu Rudi Dutschkes Verständnis von Protest und Gewalt oder dessen Position zur Wiedervereinigung Deutschlands, ein. Ebenso umreißt er den Begriff der „romantischen Revolte“ und stellt dabei Einflüsse der Philosophie (Rousseau) und der Epoche der Romantik an sich vor. Der Begriff der „Basis“ wird dabei zum Schüssel von gesellschaftlichen Veränderungskonzepten der 68er Bewegung in allen Lebensbereichen. In den weiteren fünf Kapiteln gibt Kraushaar einen Einblick in wesentliche Protest- und Lebensbereiche (Geschichtsverdrängung der Vätergeneration, Studentenbewegung und deren Persönlichkeiten, Kommune als Gesellschaftsidee, Musik/Kunst und Protest, weitere politische Entwicklung und Ausblick), die auch von einem umfangreichen Anmerkungsanhang ergänzt sind.

„Ein Buch, das kompetent erläutert und auch offene Fragen kritisch stellt und damit gerade authentisch in die Fußstapfen einer Bewegung tritt, die bis heute wesentlich die moderne Gesellschaft beeinflusst.“

Wolfgang Kraushaar, Die blinden Flecken der 68er-Bewegung. Klett-Cotta Verlag.

Walter Pobaschnig, Wien 9_2018

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