„es geht darum Veränderungen zuzulassen, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen“ _ 5 Fragen _ Julia Überreiter, Künstlerin _ Salzburg 10.10.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin _ Salzburg und Wien

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite vorwiegend am späteren Nachmittag und in der Nacht. Den Vormittag nutze ich, um langsam in den Tag zu starten, ein bisschen rauszugehen, um in der Natur neue Energie zu tanken.

Wenn ich arbeite, versuche ich darauf zu achten, regelmäßig Pausen einzulegen, weil ich manchmal so ins Tun komme, dass ich das Zeitgefühl verliere.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtsamkeit, Toleranz, Offenheit und Solidarität. Achtsamkeit bedeutet für mich, innezuhalten, bevor ich reagiere. Toleranz hilft mir, andere Meinungen auszuhalten, ohne mich zu verschließen. Offenheit heißt für mich, Menschen zuzuhören, auch wenn ich erst mal eine andere Meinung habe. Solidarität bedeutet einzustehen, wenn jemand ungerecht behandelt wird. 

Ich selbst versuche, meinen eigenen Blickwinkel immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. Viele Informationen einzuholen hilft, aber entscheidend ist, wie man sie einordnet und abwägt.

Im Alltag sind kleine Schritte oft die wichtigsten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich denke, es geht darum Veränderungen zuzulassen, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen.

Kunst schafft Räume, in denen neue Gedanken entstehen können. Sie kann gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen, hinterfragen und zum Nachdenken anregen, um Veränderungen überhaupt erst vorstellbar zu machen.

Was liest Du derzeit?

Zusammen mit meiner Großmutter Alice lese ich das Buch „Gauleiter Uiberreither – Zwei Leben“ von Stefan Karner. Da wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, sich mit dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen, beschäftigt mich das Thema besonders. Wenn ich richtig informiert bin, ist er mein Urgroßonkel gewesen. Er wurde nie für seine Gräueltaten belangt und lebte unter falschem Namen jahrzehntelang in Deutschland.

Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, aber man kann sich damit beschäftigen!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zitat aus dem Film „Stalker“ (1979) von Andrei Tarkowski (1932 – 1986)

Schriftstellerin: „All ihre Technologie, all ihre Hochöfen, Räder und so ein Trubel, damit die Leute weniger arbeiten und konsumieren können. Die Menschheit existiert, ähm – um Kunstwerke zu schaffen. Zumindest ist das selbstlos im Vergleich zu allen anderen menschlichen Aktivitäten. Große Illusionen. Bilder der absoluten Wahrheit. Hören Sie mir zu, Professor?“

Professor: “Von welcher Selbstlosigkeit sprichst du? Immer wieder starben Menschen an Hunger. Hast du auf dem Mond gelebt?“

Vielen Dank!

Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin

Zur Person/über mich: Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) ist eine in Salzburg geborene Mixed-Media-Künstlerin, die zwischen Salzburg und Wien lebt und arbeitet. Sie studierte Multimedia Art an der FH Salzburg sowie Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien.

In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie medienübergreifend mit Skulptur, Fotografie, Installation, abstrakter Malerei und Musik. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit vorgefundenen Objekten und Altmetall, die sie in neue Zusammenhänge überführt. In ihrer fotografischen Arbeit setzt sie vorwiegend auf Fernauslöser und arbeitet mit Selbstinszenierung. Inhaltlich setzt sie sich mit gesellschaftlichen und soziopolitischen Fragen auseinander. Dabei beschäftigt sie sich unter anderem mit Körperpolitik und Gender, dem Verhältnis von Mensch und Umwelt, sowie mit gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Auch die Sprache und visuellen Codes der Werbung spielen in ihrer Arbeit eine Rolle.

Julia Überreiter ist Mitglied bei IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen – sowie beim interdisziplinären Netzwerk eop.

Julia Überreiter absolviert eine Tanzausbildung in Contemporary Dance am Motion Lab Wien und arbeitet aktuell an einer Soundskulptur, als persönliche Auseinandersetzung mit ihrem vor zehn Jahren verstorbenen Großvater. In der Arbeit verbindet sie ihren Gesang mit elektronischer Musik und einer tragbaren Skulptur, die unter anderem mit Naturelementen wie Moos und Insekten gestaltet ist. Auf die Skulptur und ihren Körper werden Fotografien, Dias und Videoaufnahmen aus ihrer Kindheit mit ihrem Großvater projiziert. Die Arbeit ist als persönliche Hommage und als Geschenk an ihn gedacht.

Foto: Werner Streitfelder

Walter Pobaschnig, 8.10.2026

https://literaturoutdoors.com

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