

Zu Monika Helfer/Monika Helfer-Köhlmeier:
Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)
Monika Helfer, Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026

bei der Verleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers

Im Interview: Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin _ Gleisdorf/Stm.
Liebe Andrea Wolfmayr, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?
- Wir sitzen auf dem Boot bei der Wörthersee-Rundfahrt im Rahmen des Bachmannpreises. Sie hat sehr rote Lippen und wirkt absolut selbstsicher, ihre ruhige, heisere Stimme so souverän, so toll, ihr fantastisches Lächeln – ich krieg Komplexe, sie hat grad die „Wilden Kinder“ veröffentlicht, ich die „Spielräume“, sie ist 5 Jahre älter als ich und kennt sich aus auf dem Literaturmarkt.
- Ich schreibe mein Vater-Buch, schicke ihr das Manuskript, sie antwortet sehr ermutigend. Sie fände die Geschichte ergreifend, berührend, erschütternd, habe auch mit Michael darüber diskutiert. Warum ich denn keinen größeren Verlag dafür fände?
- Wir treffen uns bei der Buch-Wien. Sie sitzt mit wichtigen Menschen beim Hanser-Stand, ganz in Schwarz, mit Spitzen-Handschuhen, wir begrüßen uns herzlich, aber sie hat leider keine Zeit und ich will nicht stören.
- Wir sehen uns zum letzten Mal bei einer Lesung in Gleisdorf. Sie wirkt erstaunlich alt, ein wenig gebrechlich und unsicher, wieder in Schwarz, aber sie ist groß jetzt und berühmt und wichtig. Sie freut sich, mich zu sehen, anschließend an die Lesung lasse ich mir „Löwenherz“ signieren, aber der Rummel ist mir zu viel. Vielleicht hätte ich doch nicht gleich gehen sollen.

Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?
Ihre Stimme. Im Schreiben ihre Stimme, die ich hören kann. Sicher und unsicher. Rauchig und ruhig und tastend, vorsichtig, bestimmt. Das Besondere an ihr, das Auffallende und Ermutigende: SIE SELBST.
Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?
„Die wilden Kinder“, weil es unser Anfang war. „Vati“, weil wir parallel schrieben, sie hat den Titel fürs Buch genommen, den mein Verlag nicht wollte.
Wie hast Du Monika Helfer als Lesende bzw. als Kollegin erlebt?
Monika war immer mutiger als ich. Wagemutiger. Doch innerlich waren wir uns näher, verwandter sogar, mehr, als man von außen sehen konnte, das wussten wir beide. Und schließlich hatten wir Familie, infolgedessen weniger Schreibzeit als Männer. Die musste nach Kräften genutzt werden, ich denke, auch deshalb war da nicht genügend Platz für mehr freundschaftlich-kollegiales Miteinander. Unsere ganz persönliche, viel zu wenige Zeit war uns zu kostbar, und Hohenems und Gleisdorf, das ist eine weite Entfernung.
Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?
„Die Wahrheit, Richard. Bitte, die Wahrheit! Ich muss sie wissen!“ (Aus Löwenherz – Foto mit Signatur)
Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person _ Andrea Wolfmayr, Schriftstellerin
Wolfmayr, Andrea – Edition Keiper
Foto: Monika Helfer _ Salvatore Vinci/Hanser Verlag
Fotos: Monika Helfer/Michael Köhlmeier _ Verleihung des österreichischen Buchpreis 2025 _ Walter Pobaschnig
Foto: Andrea Wolfmayr _ privat.
Walter Pobaschnig, 15.8.2026