„Den Blick. Den wachen Blick.“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Christina Griebel, Künstlerin _ Berlin 15.8.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann am Schreibtisch in der Bocca de Leone, Rom um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Christina Griebel, Künstlerin _ Berlin

Liebe Christina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Es ist existentiell. Es geht um nicht weniger als – alles. Sie setzt alles aufs Spiel, in einer Sprache, rhythmisch und bildintensiv, die ihresgleichen nicht finden wird.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Malina.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Aktuell wie eh und je.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Zum Glück muss ich nicht lieben wie Bachmann. Für alle anderen kann ich nicht sprechen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Das Wort „Martyrium“ lasse ich bei den Heiligen, doch die Kunst gibt sich nur mit einem ganzen Leben zufrieden. Weniger reicht nicht. Meinetwegen darf es ihr geweiht sein.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Den Blick. Den wachen Blick. Dieser Blick schläft nie. Selbst im Traum.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich glaube, ich hätte mich nicht getraut und ihr einfach aus der letzten Reihe zugehört.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ein Ausstellung mit Künstler*innen, die über fast 40 Jahre hinweg in der gleichen Malklasse studiert haben mit dem Plan, für die Kunst zu leben. Von ihr lebt nur einer unter ihnen.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Wegen der Politik heben sich die Straßen um fünfundvierzig Grad, die Autos rollen zurück, die Radfahrer und Fußgänger wirbeln zurück zu beiden Seiten der Straße, man kann nicht hindern, dass die Autos Schaden anrichten.“ In: IB, Ein Ort für Zufälle. Berlin (Wagenbach) 1065, S. 26.

Herzlichen Dank für das Interview!

Christina Griebel, Künstlerin

Zur Person: Dr. Christina Griebel – Staatliche Akademie der Künste Karlsruhe

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Foto: l _ csm_Kunstakademie Karlsruhe

Walter Pobaschnig, 27.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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