„Ich glaube, wir müssen wieder lernen, genau hinzuschauen und zuzuhören“ _ 5 Fragen an Künstler*innen _ Eva Winter, Autorin _ GB 7.8.2026

5 Fragen an Künstler*innen

Eva Winter, Autorin _ GB

Liebe Eva, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vermutlich weniger romantisch, als sich viele das Autorenleben vorstellen. Ich schreibe Romane, recherchiere und entwickle neue Projekte und arbeite an einem wöchentlichen Videopodcast, in dem ich interessante Gäste zum Gespräch einlade. Gleichzeitig bin ich nach wie vor an drei Tagen pro Woche als Kieferorthopädin tätig – ein Beruf, den ich ganz bewusst nicht aufgegeben habe. Mein Tag ist deshalb klar strukturiert. Geschrieben wird morgens, in freien Stunden zwischendurch und auch abends.

Dass meine beruflichen Themen ständig zwischen Literatur, Medizin und neuen kreativen Projekten wechseln, empfinde ich als Bereicherung. Den Kontrast zwischen beiden Welten schätze ich sehr. Meine medizinische Arbeit verlangt Präzision und analytisches Denken. Das Schreiben eröffnet mir die Freiheit, neue Welten und Figuren entstehen zu lassen. Ich habe nie das Gefühl, zwischen zwei Berufen zu pendeln, vielmehr ergänzen sie sich auf überraschende Weise und halten mich geistig beweglich.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, wir müssen wieder lernen, genau hinzuschauen und zuzuhören. Unsere Welt wird immer rasanter. Informationen, Bilder und Meinungen erreichen uns im Sekundentakt und oft fällen wir unser Urteil ebenso schnell.

Ein Roman verlangt das Gegenteil. Er lässt sich nicht in einem Reel oder kurzen Video erfassen. Wer liest, begleitet die Romanfiguren auf einem Weg, bei dem sich Beweggründe erst nach und nach erschließen. Ein Leser akzeptiert, dass echtes Verstehen Zeit braucht.

Geschichten entfalten ihre Wirkung nicht in Sekunden, sondern über viele Seiten hinweg. Sie erfordern Geduld und Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf andere Lebenswirklichkeiten einzulassen. Einem guten Buch schenken wir gerne Zeit – und oft schenkt es uns dafür eine neue Perspektive.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Gesellschaften sind ständig im Wandel. Jede Generation steht vor einer neuen Herausforderung und muss ihren eigenen Weg finden. Kunst und Literatur liefern darauf keine fertigen Antworten – und genau das ist ihre Stärke. Sie eröffnen neue Ansichten und machen erfahrbar, wie unterschiedlich Menschen die Welt erleben.

Ein Roman kann keine Wirklichkeit verändern. Aber er kann verändern, wie wir auf die Wirklichkeit blicken. Wer liest, verlässt für eine Weile die eigene Perspektive und begegnet anderen Lebensentwürfen.

Was liest Du derzeit?

Zur Zeit lese ich – wieder einmal – das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde. Es gehört zu den Büchern, zu denen ich immer wieder zurückkehre und in denen ich jedes Mal etwas Neues entdecke.

Parallel dazu lese ich Lebe, was du wirklich bist von Dr. Andreas Reichstädter.

Ich finde es spannend, wie Literatur und Persönlichkeitsentwicklung auf ganz unterschiedliche Weise dieselbe Frage stellen können: Wer sind wir und wer könnten wir sein?

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mich begleitet seit vielen Jahren ein Gedanke von Astrid Lindgren:

„Alles, was an Großem in der Welt geschah, vollzog sich zuerst in der Phantasie eines Menschen.“

Der Satz stammt aus ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Hans-Christian-Andersen-Preises. Im weiteren Verlauf macht sie dann deutlich, dass die Welt von morgen wesentlich von der Vorstellungskraft der Kinder geprägt wird, die heute lesen lernen.

Für mich erinnert dieser Gedanke daran, was Literatur vermag. Nämlich Räume der Fantasie zu öffnen und neue Möglichkeiten denkbar zu machen.

Vielen Dank für das Interview!

Sehr gerne. Vielen Dank, dass ich mitmachen durfte.

Eva Winter, Autorin

Zur Person: Eva Winter schreibt als Autorin in unterschiedlichen Genres mit
besonderer Vorliebe für internationale Settings. Sie lebte und
arbeitete in England und Italien und reist viel- Erfahrungen, die ihr
Geschichten authentisch prägen. Ihr Hintergrund verbindet
analytisches Denken mit erzählerischer Sensibilität. In ihren Texten
stehen Emotionen, Entwicklung und zwischenmenschliche
Dynamiken im Fokus.

Aktueller Roman: „Rowing Hearts“, Eva Winter _ Atlantik Verlag

Ein Unfall. Ein zerstörter Traum. Eine zweite Chance, die alles verändert: „Rowing Hearts“
von Eva Winter ist ein mitreißender Roman über Liebe und Hoffnung.
Bella ist eine leidenschaftliche Ruderin und trainiert für Olympia. Sie lebt in Henley-on-Thames, wo sich alles um den Fluss und die Regatta dreht. Doch nach einem lebensbedrohlichen Unfall landet sie auf der Intensivstation. Olympia und ihr frisch unterzeichneter Sponsoringvertrag: zerplatzte Träume. Der Royal Regatta schaut Bella in diesem Jahr nur vom Ufer aus zu. Dabei lernt sie allerdings den wohlhabenden Milo kennen, der sich entschlossen für den Schutz der Gewässer einsetzt. Durch ihn lernt Bella eine neue Welt kennen und erkämpft sich eine zweite Chance. Doch findet sie auch die Kraft, um diese zu ergreifen?

Mit „Rowing Hearts“ legt Eva Winter eine New-Adult-Sports-Romance voller Herzklopfen und Glamour vor, bei der große Gefühle auf sportliche Leidenschaft treffen.

(Pressetext/Murielle Rousseau I buchcontact, 7/26)

Foto/Portrait: Irina Gavrich

Foto: Cover _ Verlag

Walter Pobaschnig, 29.7. 2026

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