„Dass man was riskiert. Sich dem aussetzt.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Birgit Birnbacher, Schriftstellerin _ Salzburg 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Birgit Birnbacher, Schriftstellerin _ Salzburg

Bachmannpreisträgerin 2019

Liebe Birgit, Du hast 2019 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Es war ein wilder Ritt. Mein Juror Stefan Gmünder und ich waren aus unterschiedlichen Gründen stark vom Bewerb abgelenkt. Wir haben kein einziges Vorbereitungsgespräch gemacht. Ich würde mal sagen, wir hatten, wenn überhaupt, Außenseiterchancen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass man was riskiert. Sich dem aussetzt. Und dass es immer Überraschungen gibt, weil so Vieles abhängig von Dynamik ist.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Meine Lesung war vom ersten Augenblick an durch den Kreislaufzusammenbruch einer Jurorin überschattet. Der Moderator hat mir bedeutet, weiterzulesen und die Kameraleute haben einfach auf mich draufgehalten. Für mich war es von Vorteil, krisenfest zu sein- ich hörte an den Stimmen der Sanitäter, die in den Raum kamen, dass es nicht wirklich ernst- im Sinne von gefährlich- ist. Trotzdem habe ich mir natürlich Sorgen um sie gemacht. Unter diesen Umständen zu lesen, war eine Zumutung – ich wusste bis dahin gar nicht, dass ich den Text auswendig kann.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Schon sehr. Ich habe das ehrlich gesagt unterschätzt und finde es immer noch bemerkenswert, wie viel Wert in unserer Branche auf diesen Preis gelegt wird, da es ja doch sehr von Dynamik und auch Zufällen geprägt ist, wer ihn schließlich bekommt. 

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Der Bachmannpreis schafft Aufmerksamkeit für Texte, Schreibende und Literatur im Gesamten, insofern schafft er Aufmerksamkeit fürs Aufmerksamsein. Das ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich fühle mich nicht in der Position, irgendwem was mitzugeben. Ich habe oft das Gefühl, die Jüngeren wissen ohnehin immer genau, was sie tun. Vielleicht, dass sie nicht immer alles so genau wissen sollen und nicht dauernd von Vorschüssen reden. Mir kommt vor, dass dieses dauernde Schielen auf den Betrieb wie so eine bittere Galle ist, die die Poesie versaut. Das eine ist die Ökonomie, das andere ist die Poesie. Man kann beides wollen, aber das muss nicht dauernd vermischt werden, das versaut die Prosa, diesen Geschmack kriegst du, wenn der mal drin ist, nie wieder raus.

Dem Bachmannpreis wünsche ich ein langes Leben.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Birgit Birnbacher, Schriftstellerin

Zur Person: Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman »Wir ohne Wal« (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise und 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane »Ich an meiner Seite« (2020), »Wovon wir leben« (2023) und »Sie wollen uns erzählen« (2026). (Pressetext _ Verlag)

Aktueller Roman:

„Ein literarischer Roman über die brennenden Themen der Gegenwart: Das neue Buch der Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher, der Meisterin der „unpathetischen Empathie“ (Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau), gelingt es, die Frage, wie und wovon wir leben wollen, in einer packenden und poetischen Sprache zu stellen.
Ein einziger Fehler katapultiert Julia aus ihrem Job als Krankenschwester zurück in ihr altes Leben im Dorf. Dort scheint alles noch schlimmer: Die Fabrik, in der das halbe Dorf gearbeitet hat, existiert nicht mehr. Der Vater ist in einem bedenklichen Zustand, die Mutter hat ihn und den kranken Bruder nach Jahren des Aufopferns zurückgelassen und einen Neuanfang gewagt. Als Julia Oskar kennenlernt, der sich im Dorf von einem Herzinfarkt erholt, ist sie zunächst neidisch. Oskar hat eine Art Grundeinkommen für ein Jahr gewonnen und schmiedet Pläne. Doch was darf sich Julia für ihre Zukunft denken?“ (Pressetext/Verlag)

Nominierte Bachmannpreis 2019
Preisträger:innen 2019

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Jury 2019 _Vorsitzender Hubert Winkels _ links Klaus Kastberger, Vorsitzender 2026
Abendstimmung Wörthersee/Schloss Loretto _ Empfang der Stadt Klagenfurt


Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Birgit Birnbacher/Bachmannpreis 2019/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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