50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Monika Helfer, Schriftstellerin _ Hohenems/Vbg
Bachmannpreisnominierte 1999
Liebe Monika, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerung und was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Öffentlichkeit, das zur Schau stellen, extra für den Bachmann-Preis verfasste Texte, die publikumswirksamen Auftritte. Rainald Götz hat sich in die Stirn geschnitten. Das ist bis heute noch bekannt.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Ich war zum Glück die Zweite, und das machte, dass ich nur kurz nervös war, und dann nur mehr zuhörte. Über jeden schlechten Text war ich froh, denn der vergrößerte meine Chance. Wurde ich dann in der Endrunde genannt, hat es mir trotzdem nichts gebracht. Es gab Schriftsteller, die besser waren als ich.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Ein paar Verlage haben sich für meinen Text interessiert, der Piper Verlag schließlich hat das Buch veröffentlicht.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich fürchte, der Bachmann-Preis hat sich totgelaufen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Ich wünsche den Teilnehmerinnen Gelassenheit und auch den Juroren. Stars sind schließlich die Schriftsteller.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt in Vorarlberg. Sie hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer | Hanser 16.6.26

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Fotos: Monika Helfer _ 1 ORF/Bachmannpreis 2 Fotowerk Aichner.
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 16.6.2026