50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Anna Mitgutsch, Schriftstellerin _ Linz/OÖ
Bachmannpreisnominierte 1985
Liebe Anna, Du hast 1985 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Es war kurz vor meinem Einstieg in die Literaturszene vor einundvierzig Jahren, wenige Monate nach Erscheinen meines ersten Romans („Die Züchtigung“), der damals noch gar nicht wahrgenommen worden war. Ich war vorher im universitären Bereich tätig gewesen und alles war mir gleichermaßen neu und fremd.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Sie gab mir als Anfängerin Sichtbarkeit im Literaturbetrieb. Es hieß, Dabeisein ist alles.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Die Jurymitglieder von damals sind alle bereits gestorben, es war eine andere Generation, u.a. Gertrud Fussenegger und Reich-Ranicki. Ich erinnere mich nur mehr an die beiden, Fussenegger, die mit alten literarischen Topoi aufwartete und Reich-Ranicki, der meinen Text lobte, aber unter vier Augen meinte, er habe schon auch gravierende Mängel.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Überhaupt nicht. Die Einladung kam zu kurzfristig, ich verwendete einen älteren Text, den ich eigentlich schon hinter mir gelassen hatte. Wie weit die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb dem Buch zu seinem Erfolg verhalf, kann ich nicht sagen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich verfolge ihn schon seit längerem nicht mehr. Das müssen Jüngere bestimmen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Mitmachen und nicht zu ernst nehmen, man sollte keine Form der literarischen Rezeption zu ernst nehmen, das Urteil kommt von Menschen, die in ihrer Biografie, ihrer Zeit und ihrem literarischen Geschmack gefangen sind und sich kraft ihrer Position für die letzte, allgemeingültige Instanz halten. Unbeeindruckt das weitermachen, was und wie man es am besten kann.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Curriculum Vitae | Anna Mitgutsch 17.6.26
Website der Autorin: Anna Mitgutsch | freischaffende Autorin

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Anna Mitgutsch _ Bernhard Holub
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 17.6.26