„Die Intrigen und die Hahnenkämpfe interessierten mich nicht“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Manfred Mixner, Bachmannpreisjuror 1984-85 _ Graz 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Manfred Mixner, Autor, Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF 1984-86

Bachmannpreisjuror 1984-85

Lieber Manfred, Du warst in den 1980er Jahren Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Was sind Deine Erinnerungen?

1984 und 1985 war ich als Literaturprogramm-Verantwortlicher für Ö1 Mitglied der Jury des Bachmannpreises – und ich war es nicht gerne. Meine Aufgabe im öffentlichen Rundfunk war es, unabhängig von meinen Vorlieben und meinen subjektiven Kriterien zur Beurteilung von Literatur ein möglichst umfangreiches Spektrum der Literatur der Gegenwart zu vermitteln, mit dem Schwerpunkt auf das Schaffen österreichischer Autoren, aber auch darüber hinaus.

Die Intrigen und die Hahnenkämpfe, wer denn den größten Einfluss als Kritiker oder Literaturwissenschaftler auf den „Literaturbetrieb“ im deutschen Sprachraum hat, wer denn „Literaturpapst“ oder einer solchen Rolle gewachsen sei, interessierten mich nicht wirklich. Trotzdem war es lehrreich, mit Marcel Reich-Ranicki, Joachim Kaiser, Walter Jens, Klara Obermüller, Martin Gregor-Dellin, Gert Ueding, oder Heinrich Vormweg über Qualitäten von Texten zu diskutieren, die handwerklichen Kriterien der als Juroren mitwirkenden Autoren wie Peter Härtling, Friederike Roth oder Ingeborg Drewitz kennen zu lernen, das waren wichtige Erfahrungen, die sich auf mein Verständnis von Literatur ausgewirkt haben.

Es gab damals Momente des sehr genauen und sehr ehrlichen Abwägens von formalen und inhaltlichen Textqualitäten, aber es gab halt auch immer wieder die mir nicht sympathischen publikumswirksamen Selbstdarstellungen und eitel anmaßenden Pointierungen von „Urteilen“. Mir taten manche Autoren, deren Texte nicht recht geglückt waren, leid, dass sie zu Objekten solcher Art „hinrichtender“ Diskussionen wurden. Ich war jedenfalls froh, mich in den folgenden Jahren der Jury-Mitwirkung entziehen zu können.

Ich habe mir als Leser mein Interesse an der Literatur bis heute bewahrt, aber das an solcherart öffentlicher Jury-Tätigkeit gänzlich verloren. Die publizistischen Voraussetzungen des Literaturbetriebs der Siebziger- und Achtzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts gibt es nicht mehr. Das kann man bedauern, beklagen – aber das ist nicht meine Sache. Zum gegenwärtigen Zustand des „Literaturbetriebs“ fällt mir nichts ein, ich will damit nichts mehr zu tun haben.

Manfred Mixner, 16. Juni 2026

Herzlichen Dank für die Erinnerungen und alles Gute!

Manfred Mixner, Autor

Zur Person: Manfred Mixner, geboren 1947 in Graz, lebt seit 2023 wieder in Graz.

Diplom-Medienberater. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz und Berlin. 1970 – 1971 Kulturredakteur der Grazer Tageszeitung NEUE ZEIT, 1972 dramaturgische Mitarbeit am Grazer Schauspielhaus, 1973 bis 1979 freie publizistische Tätigkeit für Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen, 1979 bis 1983 Abteilungsleiter für Literatur, Hörspiel und Kulturberichterstattung im ORF-Landesstudio Graz, 1984 bis 1986 Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF in Wien, 1987 bis 2002 Leiter der Abteilung Hörspiel/Radiogeschichten/Radiokunst am Sender Freies Berlin.

Zahlreiche literatur- und medienwissenschaftliche Aufsätze und Bücher, u.a. Peter Handke – Werkmonographie (1977), Verstrickt in Geschichten – Versuche, Reden, Miszellen (2012). Als Hg. u.a.: Der geschärfte Sinn – Texte aus dem Grazer Funkhaus (1982); Die verführte Zeit – Die Autobiographie des Hans Flesch-Brunningen (1988); Die Welt im Trüben – Vom Fischen und Dichten (1998).

Nebenberufliche Lehrtätigkeit in Graz, Salzburg, Klagenfurt, Wien, Berlin und Jena. Seit 2002 im Ruhestand, im selben Jahr Übersiedlung nach Schweden.

Seine in Schweden entstandenen Erzählungen und Romane und seine Essays und wissenschaftlichen Arbeiten sind seit 2012 in Grazer Keiper Verlag erschienen. Mixner, Manfred – Edition Keiper

Bachmannpreis _ Jury Setting

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt_Bachmannpreisankündigung
Ossiacher See

Foto: Manfred Mixner _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 17.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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