50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Linda Stift, Schriftstellerin _ Wien
Bachmannpreisnominierte 2009 _ Text: „Die Welt der schönen Dinge“
Einladende Jurorin: Karin Fleischanderl
Liebe Linda, Du hast 2009 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Alles war viel unübersichtlicher, als ich es mir vorgestellt hatte. Das Schönste war nach der Lesung und der für mich fatalen Jurydiskussion der Sprung in den Wörthersee.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Es ist eine einmalige Gelegenheit vor sehr großem Publikum zu lesen, Kolleg:innen zu treffen, vielleicht sogar einen Verlag zu finden.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Die Lesung selbst fand ich recht angenehm, umso schlimmer waren dann die Diskussionen. Man hat mir das Recht abgesprochen, über etwas zu schreiben, das ich selbst nicht erlebt habe.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Ich war lange Zeit verunsichert und geknickt, es dauerte Jahre, das „Abgewatscht-worden-sein“, wie es medial ausgedrückt wurde, zu verkraften. Ich schrieb monatelang nicht, und als ich wieder anfing, war es aus einem Gefühl des Trotzes heraus.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gut fände ich, wenn es zwei Juroren-Teams gäbe: eines, das die Texte auswählt, und eines, das dann über die Texte spricht.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Egal, was passiert, man sollte sich nicht alles zu sehr zu Herzen nehmen.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Linda Stift, geboren 1969 bei Leibnitz/Steiermark, Studium der Germanistik und Philosophie. Autorin und Redakteurin des »Spectrum« der Presse, lebt in Wien. Zahlreiche Preise, unter anderem Alfred-Gesswein-Preis (2007). Teilnahme am Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt (2009). Bücher: Kingpeng (Roman, Deuticke 2005), Stierhunger (Roman, Deuticke 2007), Alle Wege (Anthologie, Sonderzahl 2010), Kein einziger Tag (Roman, Deuticke 2011), Das Meer hat keine Scheibe (Roman, Limbus 2026), Die Handtasche – Eine Kulturgeschichte der Dinge (erscheint am 14. August bei Limbus). https://www.limbusverlag.at/autorinnen/linda-stift/

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Linda Stift _ Christine Andorfer
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis ORF Studio/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 10.6.26