50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Klaus Kastberger, Graz (A), Vorsitzender der Bachmannpreisjury
Seit 2015 Bachmannpreisjuror, seit 2024 Juryvorsitzender
Professor für neuere deutschsprachige Literatur am Franz-Nabl-Institut der Universität Graz und Leiter des Literaturhauses Graz.
Österreichischer Staatspreispreisträger für Literaturkritik 2023


Lieber Klaus, die Spannung steigt, in weniger als drei Wochen beginnt der Bachmannpreis. Wie gehst Du persönlich auf das große Jubiläum in Klagenfurt zu und was erwartet das Publikum seitens der Jury zum runden Geburtstag?
Das Publikum erwarten diesmal ganz besonders interessante Texte, zumindest lassen das die Namen der Teilnehmer:innen vermuten. Die Jury ist gleichgeblieben. Und zumindest für mich ist es heuer das letzte Mal, dass ich Teil dieser Jury bin. Ich habe aber gar keine sentimentalen Gefühle. Ganz im Gegenteil freue ich mich heuer extra auf dieses letzte Mal. Jubiläen sind ja auch immer ganz besondere Zonen. Und viele meinen: Heuer könnte auch was ganz Besonderes passieren!
Du bist seit 2015 Juror und seit 2024 Vorsitzender der Bachmannpreisjury und damit das längstdienende Jurymitglied. Was waren und sind für Dich die schönsten und schwierigsten Erfahrungen, Erlebnisse auf diesem Weg?
Am schwierigsten war die Pandemie. Und es ist ausschließlich der damaligen Jury zu verdanken, dass es auch in dieser Situation mit dem Bachmannpreis weitergegangen ist. Hätten wir das damals nicht durchgesetzt, gäbe es diese Veranstaltung und auch das heurige Jubiläum gar nicht mehr.


„Es war Mord“ ist der letzte Satz und „Glücklich mit Ivan“ der Beginn in „Malina“. Wann ist eine Jurykritik geglückt und wann „Mord“?
Ich habe in den letzten elf Jahren in Klagenfurt keinen einzigen Mord erlebt. Von einem Klagenfurter Tribunal sprechen auch nur Menschen, die seit Jahrzehnten nicht mehr dabei waren und nicht wissen, was da eigentlich passiert. Peter Handke hat solche Menschen einmal die „Fernfuchtler“ genannt. Insgesamt habe ich während den Veranstaltungen auch viel mehr glückliche als unglückliche Menschen erlebt.

Was hat Literatur was der Fußball nicht hat?
Oft finden parallel zum Bachmannpreis große Fußballereignisse statt, was mit dem Termin zu tun hat. Das ergänzt sich im Normalfall perfekt. Die Österreicher gewinnen aber eher in der Literatur als beim Kicken. Mit der nationalen Euphorie aber ist es oft genau umgekehrt. Ich selbst glaube ja ganz fest an die Überlegenheit der österreichischen Literatur.



Was wünscht sich der Juryvorsitzende zum Bachmannpreisgeburtstag?
Dass Kärntner auch von dem wunderbaren Literatur-Troß, der sich hier Jahr für Jahr niederlässt, einmal in seiner ganzen Substanz als ein zweisprachiges Land wahrgenommen wird. Auch alle utopischen Vorstellungen von Ingeborg Bachmann und die Hoffnung, die sie bis zum Schluss hatte, basieren ja gerade auf den slawischen Elementen innerhalb der österreichischen Traditionen. Nicht das deitsche Kärnten, sondern das slowenische dient hier als kulturelle Referenz. Man könnte auch sagen: Bei Bachmann liegt mit Böhmen immer auch Celovec am Meer.



Walter Pobaschnig

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Familienarchiv Bachmann.
Foto: Klaus Kastberger _ Konstantin Tzivanopoulos
Foto: Isabel Belherdis/Intervention _ Walter Pobaschnig
Fotos: Bachmannpreis _ Walter Pobaschnig, 2015-25
Walter Pobaschnig, 1.6.26