„Wind, Salz und Klang“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _  Friedrich G.Paff, Schriftsteller _ Marburg/D 13.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Friedrich G.Paff

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview_  Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Lieber  Friedrich, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Das Glück gehabt, sie nie in der Schule oder an der Uni lesen zu müssen.

Auf Einladung der Kärtner Slowenen war ich mal in Klagenfurt, den großen steinernen Lindwurmdrachen dort gesehen, in einem Gasthof gewesen und dort vernommen, wie ein Literaturpapst dort immer speiste und Hof hielt, ehe die Bachmann-Wettbewerbe begannen. Vom Präsidenten des Kärntner Landtages Josef Schantl habe ich noch einen großen Bierkrug als Erinnerung.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Wind, Salz und Klang. Und das Wort ein Funke, ein Vers, ein Atem.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihre Gedichte.

Zum Beispiel : “Das Spiel ist aus“ oder  “Wahrlich“.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie hat gerochen, dass gesellschaftliche Zerstörungen tiefer liegen als Rollen, Klischees, Zuweisungen und Schablonen. Gebrandmarkt flieht das aufgescheuchte Wild in die Einsamkeit der Wälder oder in die Leere der Gassen oder in den abendlichen Trubel. Wie zerstörerisch ist allein dieses „heute“, was in den Feuilletons gerade angesagt Mode, heute ist, was “in“ ist. Aber in der Dichtung ist das heute immer auch schon ein ex.

Die Spannungsfelder der Geschlechterrollen weiß Elfriede Jellinek besser auszuleuchten. Aber interessant – Bachmann schreibt in ihrem Gedicht Exil, „ein Toter bin ich. Abgetan lange schon und mit nichts bedacht“. Sie schreibt nicht „eine Tote“.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Was wäre Liebe denn, wenn sie heilbar wäre. Liebe erklärt sich nie. Das Zittergras würde sofort verbrennen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja.

Um mit ihren Worten es zu sagen, sonst leuchten wir das Dunkel mit den Fingerspitzen nicht aus. Rollen die Blutorangen nicht.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Über den Tag hinaus den Horizont zu sehen. Die Weite des Meeres und in sich den Auftrag, der selbstzerstörerisch und schöpferisch zugleich, den eigenen Vater zu erfassen und zu bewältigen. Der Auftrag in ihr, auch wo sie diesen nicht äußert, welches Du der Opfer hat überlebt, das uns von unseren eigenen Schatten erlöst.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Böhmen liegt nicht am Meer

und der Hades nicht nur in der Unterwelt

Orpheus durchstreift die Reiche

wo ungeschieden Leben und Tod

Sensen und Blühen des Grases

in der höchsten Lust der Tod

schon zuckt, in den Fossilien noch

rauscht das Meer, Franziskus

seine Gebeine jetzt sichtbar

füttert die Vögel, Gott wartet

auf Dante wenn er die Höllen

durchstreift, an der ligurischen

Küste in Lerici einem einsamen

Fischerdorf brennen die Kähne

verspannen die Netze sich

glänzen Muscheln weiß im Sand

lösen alle Netze sich auf

knoten nie mehr sich zu

geht die Sonne auf oder unter

über den sieben Hügeln von Rom

plätschern die Brunnen

stauben sich Plätze und Straßen

dass Du ist immer der andere

nie erreichbar, nur ersehnt

es zählt nur die Dichtung

das Wort, Atem ist nur

im Schweigen das sich

dem Geplärre entzieht

in den Nischen der Wände

ruht das Licht in Schatten sich aus

wenn die Nacht hereinkommt

vom Fluss her noch Lichter

was bleibt ein Funke, ein Vers

ein Atem, zieht alles sich glatt

zündet eine Zigarette sich an

schreibt eine Dichterin der Schritt

ins Leere ist der letzte Schritt

doch das Lied überm Staub danach

wird uns übersteigen

*  * *

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Meine Texte sichern. Fortfahren auf facebook meine autonome Gedichtproduktion. Leider keine Hilfe bei homepage, Wikipedia-Artikel usw.

Mich abfinden damit, dass meine geliebten Italienaufenthalte in Cartosio mir wohl nicht mehr gegönnt sind. Was sagt Ingeborg Bachmann über Italien:  Hier hab ich leben gelernt.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Im Gewitter der Rosen ist die Nacht von Dornen erhellt.

Ich seh den Salamander durch jedes Feuer gehen. Kein Schauer

jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person: http://www.friedrich-g-paff.de/

Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Friedrich G.Paff _ privat.

Walter Pobaschnig   24.2.26

https://literaturoutdoors.com

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