„Worte als Herausforderung und Trost“  Dagmar Dusil, Schriftstellerin _ Bamberg/D 11.1.2023

Liebe Dagmar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Oft Routine, doch auch aus der Routine ausbrechen. Ich bin keine Frühaufsteherin, leider, wenn ich trotzdem ab und dann früh aufstehen muss, begeistert mich der Morgen, und ich nehme mir vor, öfter früh aufzustehen. Der Morgen beginnt für mich mit Vogelgezwitscher, das meiner  Seele gut tut. Dann Kaffee, danach bin ich ansprechbar. Interessante Träume schreibe ich auf. Es folgen Telefonate, E-Mails beantworten, laufende Projekte betreuen, Artikel schreiben. Mindestens eine Stunde Zeit für Klavierüben stehlen. Zu Mittag ein schneller Mittagessen vorbereiten. Am Nachmittag raus in die Natur. Ein wenig Meditieren. Übersetzen. Nach zwei Jahren wieder Freunde treffen, sich austauschen. Kulturelle Veranstaltungen besuchen. Am Abend schreiben bis spät in die Nacht. Worte als Herausforderung und Trost.

Dagmar Dusil, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie und Verständnis, nicht aus dem seelischen Gleichgewicht fallen. Ruhe bewahren und besonnen handeln. Urteilen doch nicht verurteilen. Das Anderessein und anders Handeln akzeptieren. Nicht in der Vergangenheit leben sondern in der Gegenwart. Aus dem Augenblick das Beste machen. Wir müssen verstehen, dass wir ein Teil dieser Erde sind,  und dass alles mit allem zusammenhängt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir schlittern zur Zeit von einer Krise in die andere. Umso wichtiger ist es, achtsam zu sein, sich darauf zu besinnen, dass Zeit Veränderung bringt, hoffen, dass sich die Dinge zum Guten wenden. Literatur und Kunst an sich spielt eine wichtige Rolle für die Gesellschaft und für den Einzelnen, für den Schaffenden und den Kunst Konsumierenden. Sie hat eine heilende Wirkung, führt zu uns selbst, stimmt nachdenklich und lenkt die Aufmerksamkeit auf Wesentliches.  

Was liest Du derzeit?

Immer mehrere Bücher, die sich auf meinem Nachtkästchen stapeln. „Die Wand“ von Marlen Haushofer (ein faszinierendes Buch) , Dinçer Güçyeter „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ (Gedichte, die meine Nächte einläuten) , Lucian Blaga „Trilogia culturii“ (der mich seit meiner Studentenzeit begleitet), Irene Andrews „About One Whom Chopin Loved“ (ein Buch über das Wunderkind Carl Filtsch, der als Fünfzehnjähriger in Venedig starb und über den ich einen musikalisch-literarischen Salon vorbereite.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Gedicht aus meinem zweisprachigen Band „Beleuchtete Busse in denen keiner saß“.

Panta rhei

Lass es geschehen / Das Werden, Vergehen / Lass es geschehen /

Das Leben im warmen Atem / Lass die Wasser fließen /

Über die Stoppeln der Felder / Lass Türme sich neigen /

Und Äpfel verfaulen / Lass Brunnen austrocknen /

Lass es geschehen / Dass Menschen kommen /

Dass Menschen gehen / Lass es geschehen /

im Blätterfall / Lass Abschiede regnen / Und Pfützen entstehen.

Vielen Dank für das Interview liebe Dagmar, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Dagmar Dusil, Schriftstellerin

Foto_privat.

7.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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