„Jene Worte und Sprache zu finden, welche die Geschichte am treffendsten vermitteln“ Franziska Streun, Schriftstellerin _ Buchneuerscheinung _ Roman „unlebbar“ _ Thun/CHE 11.1.2022

Liebe Franziska, Dein aktueller Roman „unlebbar“ ist im Oktober 2022 erschienen. Worum geht es darin?

Der 75-jährige Fred bricht in seiner Wohnung zusammen. Seine Nachbarin Nicole und ihr Sohn Leo finden ihn und alarmieren den Notarzt. Sie übernimmt widerwillig die Aufgabe, bis zu dessen Rückkehr regelmässig nach ihrem Nachbar zu schauen. Fred nutzt die Gelegenheit, sein Gewissen zu erleichtern. Doch Nicole hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Nach und nach realisiert sie, dass ihre traumatische Kindheit auf verhängnisvolle Weise mit Freds Vergangenheit verknüpft ist.

Wie kam es zu Idee und Entstehung?

2013 ist mein Buch „Mordfall Gyger – eine Spurensuche“ erschienen. Mich erschreckte, dass nicht einmal ein Tötungsdelikt an einem 14-Jährigen das Schweigen innerhalb einer verschworenen Männergruppe brechen konnte. Als eine Frau mir von ihrem Leben voller Angstzustände und Panikattacken erzählte und davon, dass ihre Vergangenheit mit einigen dieser Männer zu tun hatte, wollte ich die beiden Geschichten auf einer psychologischen Ebene miteinander verknüpfen: Die Last des schlechten Gewissens einerseits und die lebenslangen Folgen von Missbrauch und Gewalt andererseits.

Was ist Dir im Schreiben wichtig?

Wichtig sind mir während des Schreibens zwei Dinge: Erstens, dass sich dabei die erhofften verstärkenden Töne zwischen den Zeilen einflechten und sie in tiefsten Ebenen nachklingen und Zweitens, dass ich intuitiv jene Worte und Sprache finde, welche die Geschichte am treffendsten vermitteln.

Wo wirst Du Dein Buch präsentieren?

Die Buchvernissage hat in der Buchhandlung stattgefunden, weitere Lesungen mit Gesprächen finden an Literatur- und Kunstorten statt und geplant ist eine Lesereise zusammen mit Fachpersonen wie z.B. Opferhilfestellen, Psychiaterinnen und Traumaexperten.

Mit welchen Worten möchtest Du Dein Buch empfehlen?

Schweigen löst keine Probleme. Wegschauen noch weniger. Sich dagegen auf Unangenehmes einzulassen und Anteil nehmen, verstärkt Verständnis und ermöglicht Veränderung. „Unlebbar“ bietet sich an, mitzuerleben, wie sich langjähriges Schweigen und lebenslange Angstattacken anfühlen sowie öffentlich über solche Themen zu sprechen und auf diese Weise Gewalt zu reduzieren und Täter zu schwächen.

Franziska Streun, Schriftstellerin

Vielen Dank für die Buchvorstellung, liebe Franziska, viel Freude und Erfolg! 

„unlebbar“, Franziska Streun, Roman. Zytglogge Verlag, 2022.

www.franziskastreun.ch

Foto Portrait_privat.

Flyer „unlebbar“ (Gestaltung www.michaelstreun.ch)

25.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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