„dass wir vor lauter Angst um die Zukunft nicht im eigenen Egoismus versumpfen“ Lisa Pointner, Schauspielerin _ Wien 21.12.2022

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ha! Ich wünschte ich hätte einen Tagesablauf! Ich bin ein ziemlicher Tausendsassa und mache – wie üblich – vieles auf einmal. Gerade schreibe ich meine Masterarbeit, mache eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin, arbeite als Legasthenietrainerin und bereite mich auf die paritätische Bühnenreifeprüfung vor. Da ist also von Schauspiel- und Gesangsunterricht über wissenschaftliche Recherche bis hin zu Kinder bespaßen alles dabei. Kein Tag ist wie der andere!

Lisa Pointner, Schauspielerin  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, dass wir auf uns selbst und aufeinander schauen. Fürsorglich und verständnisvoll, aber auch reflektiert, kritisch! Wir leben in einer turbulenten Zeit und Informationen und Fehlinformationen sind so unkompliziert zugänglich wie noch nie. Es ist leicht, in seinem eigenen Dunstkreis zu schwelgen, sich gegeneinander aufbringen zu lassen und alles, was nicht mit dem eigenen Weltbild übereinstimmt, besserwisserisch abzutun.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich persönlich finde wichtig, dass wir vor lauter Angst um die Zukunft nicht im eigenen Egoismus versumpfen. Das mag naiv sein, aber ich bin überzeugt davon, dass wir im Kern alle dasselbe wollen: (sorgen)frei leben. Klar ist jeder einzigartig. Aber unsere Individualität ist nichts, was uns voneinander trennt, sie verbindet uns!

Die Kunst macht das, was sie immer schon gemacht hat: kondensieren, überhöhen, hinterfragen, abbilden, verständlich machen, berühren, zum Nachdenken und zum Handeln anregen. Kollektive Erfahrungen wie zum Beispiel ein Theaterbesuch können meiner Meinung nach all das!

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade begonnen den ersten Teil der Hexer-Reihe von Andrzej Sapkowski zu lesen. Ich war schon als Kind ein großer Fantasy-Fan. Mit dem Germanistikstudium ist dann absurderweise meine Leselust komplett versiegt. Das ändert sich gerade wieder ein bisschen und ich genieße es, in diese fremde Welt abzutauchen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Toleranz-Paradoxon vom Philosophen Karl Popper: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“ und zwei Fragen zum Nachdenken: Welche Instanz entscheidet, was tolerant und was intolerant ist? Und kann ich auch intolerant tolerant sein?

Lisa Pointner, Schauspielerin  

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lisa Pointner, Schauspielerin

Zur Person_ Lisa Pointner, geboren und aufgewachsen in der Steiermark, Studium der Germanistik, Geschichte und Sprechwissenschaft in Graz und Regensburg. Seit 2019 Schauspielausbildung in Wien.

Fotos_Paul Vincenth Schütz

12.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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