„Schwerer als das Licht“ Tanja Raich. Roman. Blessing Verlag.

Tanja Raich, Schriftstellerin

Da sind das Meer und die Insel. Da ist ein Mensch und da sind die anderen. Ein Gegenüber zu allem. Ein täglicher Kampf beginnt. Gegen die Natur, gegen den Tod. Gegen die Zeit hier, die sich dem Ende zuneigt…

„War es schon Tag geworden oder war immer noch Nacht? Welchen Weg sollte sie dieses Mal nehmen? Kurz spürte sie den Boden nicht mehr. Eine Leere umgab sie, ein großes Nichts, das sie langsam verschluckte…“

Tanja Raich, für ihren Debütroman „Jesolo“ (2019) für den Österreichischen Buchpreis wie dem Alpha Literaturpreis nominiert, katapultiert Leserin und Leser mit ihrem zweiten Roman „Schwerer als das Licht“ gleichsam in eine mitreißende Wort- und Bilderwelt, von der es, wie für die namenlose Ich-Erzählerin im täglichen dystopischen Lebenslauf von Hunger, Angst und Einsamkeit kein Entkommen gibt. Es ist eine faszinierende direkte Sprach- und Erzählkraft, die unmittelbar bildlich wie situativ hineinzusetzen vermag und in welcher Wörter wie Farben auf der Leinwand Aktion, Spannung wie Empathie in Form und Ansprache einzigartig zu erzeugen vermögen.

Literaturgeschichtlich nimmt Tanja Raich in „Schwerer als das Licht“ äußerst bemerkenswert den existentiell gesellschaftskritischen Kontext des Verschwindens, etwa bei Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger oder Birgit Birnbacher, auf und führt diesen in einen elementaren Kontext eines Überlebenskampfes der Natur gegenüber weiter, in dem der Mensch ganz auf Bedürfnis und Instinkt gestellt ist und sich gegen das Verschwinden angesichts der elementaren Gewalt der auflösenden Welt selbst stemmt. Es ist ein postkultureller dystopischer Zustand, in dem Kraft, Macht der Natur in den Fokus des Ausgangs- wie Horizontpunktes des Menschseins und -vergehens treten. In allem zerstörerischen Movens des Bestimmt-, und Umgebenseins von Natur klingt aber auch eine Seinsklammer von Anfang und Ende im Hoffnungshorizont an und nimmt damit eine apokalyptische Wendung als Referenz hinzu.

„Eine packende wie raffiniert hintergründige dystopische Parabel über Mensch, Natur und Zeit, die in expressionistischer Sprachschönheit vielstimmige spannende literarische Referenzen anklingen lässt und damit selbstbewusst umgeht.“

Tanja Raich, Schriftstellerin

Romanneuerscheinung: „Schwerer als das Licht“ Tanja Raich. Roman. Blessing Verlag.

Besprechung_Walter Pobaschnig 9/22

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