„Literatur sollte einen Standpunkt beziehen“ Christian Klinger, Schriftsteller _ Wien 23.6.2022

Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Tag beginnt bei mir eigentlich fast immer mit einem Kaffee.

Doch seit dem Einmarsch der russischen Truppen gehe ich nach dem Aufwachen auf die ORF-Website, immer noch von der Hoffnung getragen, das Wort „Frieden“ zu lesen. Und werde jeden Morgen enttäuscht. Ich hoffe, nicht demnächst zu resignieren.

Christian Klinger, Schriftsteller/Jurist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Genau diese Resignation nicht zuzulassen. Auch, wenn der/die Einzelne vielleicht nicht unmittelbar Einfluss auf den Lauf der Welt nehmen kann, so ist jeder noch so kleine Beitrag besser, als gar nicht zu handeln. Dies gilt aber in allen Belangen und nicht nur für Kriege (Syrien und der Jemen seien hier nur exemplarisch für die Vielzahl bestehender Kriege angeführt). Der Hunger und der Klimawandel müssen weiter bekämpft werden, Demokratisierung in autoritären Regimen angestrebt werden und noch vieles mehr.

Wir alle sollten uns überlegen, wie viel Konsum es braucht, und ob wir mit ein wenig Verzicht nicht schon eine Änderung bewirken können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Eine Änderung zum Guten wird oft von wenigen eingeleitet, Erfolg ist diesem Bestreben aber nur beschieden, wenn es eine breite Unterstützung dafür gibt. Kunst, und dabei auch die Literatur, muss nicht unbedingt politisch sein, aber sie sollte einen Standpunkt beziehen. Kunst und Literatur stehen für Vielfalt und sollten eine Gleichströmigkeit hinterfragen und uns aus einer Gleichgültigkeit aufrütteln.

Was liest Du derzeit?

„Blauwal der Erinnerung“ von Tanja Maljartschuk und für Recherchezwecke „Bianchi. Una storia italiana“ von Daniele Marchesini

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Lernen Sie Geschichte“, das ist jetzt kein literarisches Zitat, aber ich denke, diese Kreisky zugeschriebene Aufforderung hat nach wie vor Gültigkeit. Geschichte eignet sich nicht als Vademekum, um Fehler aus der Vergangenheit nicht nochmals zu begehen, aber gewisse Parameter wiederholen sich oft und sollten uns als Warnung dienen, die Wirkungen genau dieser Wiederholung abzuschwächen.

Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke!

5 Fragen an Künstler*innen:

Christian Klinger, Schriftsteller/Jurist 

Christian Klinger

Foto_Paul Feuersänger/Picus Verlag

23.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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