„Das Lachen darf im Hals stecken bleiben!“ Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ Wien 1.5.2022

Liebe Mara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

DEN Tagesablauf gibt es nicht bei mir. Ich bin in einige verschiedene Projekte, Jobs bzw. Aktivitäten involviert. Das macht es für mich oftmals schwer den Überblick zu bewahren. Theater/Schauspiel, Musik, Archäologie, Wissenschaftsvermittlung etc.müssen gut koordiniert werden. Beziehungen und Ruhe sollen auch Platz haben.
Diese Vielfalt an Aktivitäten hat auch sehr schöne Seiten, ich bin ein neugieriger Mensch.

In Zeiten der ersten Lockdowns hat mich der Verlust diverser Jobs und Aufträge aber sehr hart getroffen… Vor allem, da ich erst kurz vor Ausbruch der Pandemie als frisch „geprüfte“ Schauspielerin in die Künstler-Welt entlassen wurde!
Ich habe diese Zeit natürlich versucht gut zu nützen und unter anderem beschlossen mein Studium an der Uni Wien wieder aufzunehmen und habe gelernt was es heißt zu „Zoomen“ und Online Kurse zu besuchen.

Das Schauspiel hat mich glücklicherweise nie komplett im Stich gelassen.

Nun bin ich froh, dass Projekte und Jobs durch die sogenannten Lockerungen wieder zurückkommen können. (Hoffentlich hält das diesmal länger an und die nächste Welle wird nicht verschlafen – die Hoffnung stirbt zuletzt!)

Auf jeden Fall gilt für mich: Früh aufstehen! Also das Künstlerklischee „bis Nachmittag schlafen“ ist wohl weit überholt… 😉

Mara Christine Koppitsch,
Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Verzeihlich zu sein und nicht zu verbittern. Achtsamkeit. Humor.
Ich denke, dass man in Zeiten wie diesen, wo deutlich wird wie viel schräg- und schiefläuft in Politik und Gesellschaft (Corona-Management in Österreich und seine Auswirkungen etc.) noch einmal mehr aufgefordert ist, nicht sofort andere zu verurteilen, sondern erst mal nachzudenken. Für mich ist hier das Beispiel vom eigenen Blindenfleck wichtig – zu bedenken, dass man auch selbst kein perfekter Mensch ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass man Dinge unterwürfig hinnehmen soll. Ich persönlich lerne gerade, mich nicht wegen diverser Umstände in Furcht und Schrecken versetzen zu lassen, sondern Ruhe zu bewahren. Bewusst Entscheidungen treffen. Das innere Kind nicht verlieren und über Dinge staunen können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Auf- Um- Ausbruch… Von der Pandemie mehr oder weniger in den Krieg. Damit hätten wohl die Wenigsten gerechnet. Kunst kann Menschen bewegen – auch wenn es platt klingt. Emotionen dürfen sein, sie müssen Platz haben und brauchen einen Kanal. Angefüllt mit Angst, Stress und Unsicherheit – ist es notwendig uns Menschen Möglichkeiten zum Mitfühlen, zum Nachdenken, zur Ablenkung und auch zum Schönen zu geben. Kunst bzw. Theater soll im Publikum (aber auch im Schauspieler) (nach-)wirken. Das Lachen darf im Hals stecken bleiben! Perspektiven aufzeigen! Reibungspunkte schaffen! Theater braucht keine Bühne, es kann überall stattfinden. Wichtig sind die Teilnehmenden. Ein Miteinander braucht es, alleine ist kein Theater möglich.


Was liest Du derzeit?

Neben Sachbüchern zur Archäologie, Anthropologie und Naturwissenschaft…
Joseph Roth „Radezkymarsch“. Außerdem ein Theaterstück von meinen zwei liebsten Schauspielkolleginnen zum Geburtstag bekommen „Beaumarchais“ von Friedrich Wolf.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alle guten Dinge sind 3:

„Wer wird und wann die Sprache wiederfinden? Einer dem ein Schmerz den Schädel spaltet wird es sein. Und bis dahin, bis zu ihm hin, nur das Gebrüll und der Befehl und das Gewinsel und das Jawohl der Gehorchenden. Die Ohnmacht der Sieger, die stumm einander meinen Namen weitersagend das Gefährt umstreichen. Greise, Frauen, Kinder. Über die Grässlichkeit des Sieges. Über seine Folgen die ich schon jetzt in ihren blinden Augen seh. Mit Blindheit geschlagen, ja. Alles, was sie wissen müssen, wird sich vor ihren Augen abspielen, und sie werden nichts sehen.“ („Kassandra“ von Christa Wolf)

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“
(die Bibel, Johannes 1)

„Auf uns kommts an!“ („Lechner Edi schaut ins Paradies“ von Jura Soyfer)

Mara Christine Koppitsch,
Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Mara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin

Alle Fotos_(c)anwora.com.

24.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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