„Ich wünsche mir mehr Mittel, vor allem für kleinere Studios und Projekte“ Adam Lukas, Filmkomponist _ Los Angeles/USA 23.4.2022

Lieber Adam, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, danke für das Interesse.

Ich versuche stets, obwohl das eigentlich gegen die Natur des Jobs spricht, einen normalen “9 to 5” Tag zu haben. Psychohygiene ist mir sehr wichtig, und ich möchte gegen Ende des Tages das Gefühl haben, die Arbeit ist getan und ich nehm nichts mit nach Hause.

Es ist für mich ein großes Privileg, in einem Studioraum zu arbeiten, der 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt liegt. Dort komme ich gegen 8.30 an und erledige, während der Kaffee kocht, einige kleinere Dinge – ich antworte auf E-Mails, starte Downloads, plane den Tag, etc. Gegen 9 setze ich mich hin und fange wirklich an zu komponieren. Am Morgen bin am kreativsten, deshalb komponiere ich meistens den ganzen Cue in dieser Zeit. Am Nachmittag produziere und arrangiere ich dann, was ich morgens komponiert habe. Gegen 5/6 evaluiere ich den Fortschritt und meistens um diese Zeit, kommt auch mein Assistent ins Studio und ich gehe mit ihm ein paar Sachen durch, die er dann für den Rest des Abends erledigt, oder für mich vorbereitet für den nächsten Tag.

Zuhause angekommen, habe ich kein einziges musikalisches Instrument – das hilft mir ebenfalls mit der Trennung von Berufs- und Privatleben. Dann gehe ich meinen Hobbies nach, oder treffe mich mit Freunden, bis ich gegen 11/12 dann schlafen geh.

Adam Lukas, Filmkomponist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Emotionen so gut wie möglich aus den Debatten rauszuhalten. Es braucht eine “Kühlung”, um eine Überhitzung zu vermeiden. Familien, die sich beispielsweise wegen politischen Ungereimtheiten nicht mehr sehen wollen – das stimmt mich richtig traurig. Wir müssen einander zuhören, sowohl dem Onkel, der nicht geimpft ist, als auch der Sophie, die sich während ihres Studiums auch in der Klimabewegung bewegt. Wir haben immer noch mehr gemeinsam, als was uns unterscheidet. Social Media macht das viel schlimmer und beschleunigt diesen Trend, weil man nicht mehr Face-to-Face diskutiert, sondern “pseudo”-anonymisiert mit Fremden auf Facebook streitet, mit Maus und Tastatur.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?  

Eine große Herausforderung wird die neue Form von Arbeit werden, und wie wir damit umgehen. Menschen brauchen einen Sinn, sie wollen sich gebraucht fühlen. Mit mehr und mehr Berufen, die durch Automatisierung obsolet werden, wird da ein großes Vakuum entstehen, und wir müssen zusehen, dass diese Entwicklung langsam und überschaubar vor sich geht. Als jemand, der Musik macht, befinde ich mich hier auf einem relativ sicheren Boot, obwohl es schon Artificial Intelligence gibt, die Musik wie die Beatles ausspucken kann.

Besonders während der Pandemie haben sich die Menschen in die Künste geflüchtet, und haben sich mit Musik und Filmen bei Laune gehalten. Doch gerade die Kunst- und Kulturbranche wurde von der Politik im Stich gelassen. Auf einmal war man “non-essential”. Ich wünsche mir mehr Mittel, vor allem für kleinere Studios und Projekte – ob Marvel jetzt 200, oder 250 Millionen für einen Film übrig hat, macht keinen Unterschied- Für einen Indie Film können 5000€ beispielsweise aber einen großen Impact haben.

Was liest Du derzeit?  

Ich lese kaum. Zeit meines Lebens habe ich bestimmt nicht mehr als 20 Bücher gelesen. Die einzige Ausnahme sind Haruki Murakami’s Bücher, die ich alle liebe und sehr gut kenne. “Killing Commendatore” hat mich zuletzt richtig in den Bann gezogen. Ich bin mehr ein audiovisueller Typ und schaue gerne, oder höre Podcast. “Lanz & Precht” höre ich zB jede Woche. Auf diversen Streaming Portalen sehen meine Freundin und ich abends gerne Dokumentationen. Letztens sind wir auf den Geschmack von Lauren Greenfield’s Dokumentation gestoßen. “Thin” und “Generation Wealth” haben uns beide weinend zu den Credit Rolls hinterlassen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Comparison is the thief of Joy” – T. Roosevelt.

Hier dazu ein Musikvideo: h\ps://www.youtube.com/watch?v=JRUjtalz_1k

Vielen Dank für das Interview lieber Adam, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Adam Lukas, Filmkomponist

https://www.adam-lukas.com/

Foto_privat.

18.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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