„Die Kunst war mein Lebensretter“ Tanja Scheichl-Ebenhoch, Musikerin_ Götzis/A 26.3.2022

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er unterscheidet sich heute von dem vor drei Jahren tatsächlich um annähernd 100 Prozent. Meine Krebserkrankung und die damit verbundende Polychemo bedeuteten für mich nämlich einen Full Cut in meinem Leben. Von heute auf morgen war es mir als Geigerin physisch und psychisch nicht mehr möglich, Orchester- und Kammermusikprojekte zu planen und zu spielen. Mir fehlte dadurch das Kreativsein, das Musizieren und das Künstlerisch-Tätig-Sein im Allgemeinen, in jener Phase der Bettlägrigkeit in einem Ausmaß, das ich selber nie für möglich gehalten hätte.

Vor allem durch das Schreiben an meinem Buch „Als ich aufhörte zu funktionieren“ gelang es mir dann, langsam wieder in die Spur zu finden. Und meine Ängste zu überwinden.

Tanja Scheichl-Ebenhoch, Schriftstellerin, Musikerin und Pädagogin

Heute führt deshalb mein erster Weg nach zwei Tassen starkem Kaffee am Morgen zum Laptop, wo ich erst mal an meinen neuesten Buchprojekten arbeite. Unterbrochen wird diese Tätigkeit immer wieder durch Songs, die mir über Nacht in den Sinn kommen. Das können Rock- und Popsongs ebenso wie klassische Werke sein, z.B. Sätze aus Symphonien oder Violinkonzerten. Die höre ich dann den ganzen Tag rauf und runter.

Die Musik ist also nach wie vor essentiell für mich. Ja, ich würde sagen, überlebenswichtig. Sie erlaubt mir, meine Emotionen entsprechend auszuleben.

In naher Zukunft steht auch erstmals wieder ein Theaterprojekt an, bei dem ich als Violinistin begleitend agieren werde. Eine besondere Herausforderung für mich, der ich mich aber unbedingt stellen möchte.

Das Leben ist so spannend und vielfältig, wenn wir es zulassen…      

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich muss gestehen, dass mir, ebenso wie vielen anderen Menschen, die weltpolitischen Entwicklungen im Moment sehr zu schaffen machen. Es ist wirklich schwer zu verstehen, wie ohnmächtig wir nach wie vor alle sind im Kampf gegen das Machtstreben. Auch in Zeiten von mass media und social media. Das tut unter Umständen richtiggehend körperlich weh.

Dennoch sollten wir auch in diesem Moment die positiven Signale nicht übersehen: die Einigkeit Europas, die große Solidarität mit den betroffenen Menschen, Empathie und Humanität an sich.

Ich denke also, es gibt Hoffnung. Das zu wissen kann allein schon sehr befreiend sein…   

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, Literatur, der Kunst an sich zu?

Bis vor ein paar Jahren hätte ich darauf geantwortet, dass Kunst wahrscheinlich keine besondere Funktion hat. Sie mag uns zwar emotional berühren, allerdings hätte ich einen psychotherapeutischen Effekt vehement bestritten.

Ich habe meine Meinung geändert. Und zwar aufgrund meiner eigenen Erfahrung. Für mich war die Kunst mein Lebensretter, das, was mich auch in der schlimmsten Zeit aufrechterhalten hat. Genau das möchte ich auch meinen Geigenschüler: innen und Student: innen vermitteln. 

Was liest Du derzeit?

Auf meinem Nachttisch liegen momentan einige Bücher weiblicher Autorinnen meiner Region, sprich, aus Vorarlberg: „Löwenherz“, Monika Helfers dritter Teil ihrer persönlichen Familien-Saga, außerdem „Dönz“ von Sabine Grohs und „Hey was solls es ist mein Leben“ von Kriemhild Bickel.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alles ist möglich:

Feet, what do I need you forwhen I have wings to fly? Frida Kahlo

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Buch-, Pädagogikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Tanja Scheichl-Ebenhoch, Schriftstellerin, Musikerin und Pädagogin

5 Fragen an Künstler*innen:

Tanja Scheichl-Ebenhoch, Schriftstellerin, Musikerin und Pädagogin

Fotos_Tanja Scheichl-Ebenhoch.

7.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ein Gedanke zu „„Die Kunst war mein Lebensretter“ Tanja Scheichl-Ebenhoch, Musikerin_ Götzis/A 26.3.2022

  1. Die Krankheit eines Menschen kann dass ganze Leben verändern, es kann zum Tod führen oder zum Lebens Willen. Es kann sich fragen stellen, kann in Worten verfallen, einfach gehen ohne sich zu verabschieden, meine Angst kann ich verfassen, den anderen etwas mitteilen was das Leben leichter macht, die besten Freunde dieser Erde werden zu einem Treffen eingeladen, über Gefühle zu reden, der der dich mag und schätzt bleibt, die anderen gehen und lass die gegangen sind nicht wieder kommen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s