„Literatur kann ein Portal zu anderen Welten sein“ Lydia Steinbacher, Schriftstellerin _ Wien 24.3.2022

Liebe Lydia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Geweckt werde ich manchmal vom Vogelbesuch auf meinem Balkon noch bevor der Wecker klingelt. Die erste Tageshälfte verbringe ich im Büro oder im Home-Office, ich arbeite in einem Verlag für Bildungsmedien, nachmittags beantworte ich Mails und erledige Allfälliges. Die verbleibende Zeit verbringe ich ganz unterschiedlich, ich bin auch sehr spontan, aber ein bisschen Sport gehört genauso dazu wie das Musizieren und Malen. In der richtigen Stimmung zum Schreiben bin ich dann meist erst am Abend.

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin, Redakteurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Öfter sich selbst misstrauen, die eigenen Ziele und Motive nicht unhinterfragt lassen. Ich meine, so fällt es auch leichter, nicht vorschnell über andere zu urteilen. Genauso wichtig wie die Selbstreflexion ist das Zuhören, der Versuch, sich wirklich auf das Gegenüber einzulassen und offen zu bleiben für abweichende Vorstellungen, was nicht bedeutet, dass eigene Ansichten zu verhehlen wären. Aber manchmal habe ich das Gefühl, es geht in Gesprächen nur darum, wer das letzte Wort hat.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich, zu?

Die bevorstehenden Zeiten werden uns herausfordern, die Angst vor Verlust geht um. In letzter Zeit habe ich mich viel mit dem gedächtnisbildenden Potenzial von Literatur beschäftigt, aber das ist nur eine ihrer vielen möglichen Funktionen. Sie kann auch eine Art magischer Spiegel sein, ein Portal zu anderen Welten, dann wieder ein Zerrbild der eigenen. Auf jeden Fall wird die Kunst den gesellschaftlichen Wandel kritisch begleiten, wie sie es immer tut, wenn sie nicht gewaltsam zum Schweigen gebracht wird.

Was liest Du derzeit?

Der Zauberberg“ von Thomas Mann und „Eine blassblaue Frauenschrift“ von Franz Werfel, als nächstes möchte ich Erzählungen von James Tiptree Jr. lesen, die mir ein Freund empfohlen hat. Dazwischen lese ich auch gern Gedichte, hin und wieder lerne ich eines auswendig, das ist ein bisschen aus der Zeit gefallen, ich weiß.  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der hasst, ist fremder, als der gehasst wird, und die Fremdesten sind, die sich am meisten zu Hause fühlen! – Ilse Aichinger, Die größere Hoffnung

Vielen Dank für das Interview liebe Lydia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Lydia Steinbacher, Schriftstellerin, Redakteurin

Foto_Helmut Steinbacher.

7.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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