„Der Schauspielberuf ist hart, unfair“ Ino Matsou_Schauspielerin_40.Todesjahr Romy Schneider_ Wien 6.3.2022

Ino Matsou_Schauspielerin_
reenacting Romy Schneider _ Wien

Liebe Ino, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Als kleines Mädchen war ich, wie so viele andere Mädels, von der Kaiserin Sissi fasziniert, also für mich war Romy Schneider einfach diese unglaublich hübsche strahlende Prinzessin, die mich sehr beeindruckt hat.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Ich finde Romy Schneider als Schauspielerin bei dem Film „Die Liebe einer Frau“ von Costa Gavras einfach grandios. Sie spielt die existentielle Verzweiflung ihrer Rolle mit enormer emotionaler Intensität.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?

Nein, das kann ich nicht wirklich sagen.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Ich vermute, dass der Schauspielberuf und Schauspielkunst als eine Art Flucht von ihrem eigenen Leben funktioniert hat. Es ist sehr merkwürdig, dass sie nach dem Tod ihres Sohnes bei den Dreharbeiten des Filmes „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ mitmachen wollte.

Für mich gilt meine Familie als mein Team. Sie gibt mir emotionale Sicherheit und Geborgenheit und hat eine große Bedeutung in meinem Leben. Bis jetzt hatte bei allen meiner beruflichen Entscheidungen meine Familie Vorrang, weil meine Tochter noch klein war. Das kann sich in der Zukunft zwar ändern, aber ich werde immer versuchen eine Balance zwischen diesen zwei Welten zu finden.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Das war sehr mutig von ihr, sie hat sich entschieden außerhalb ihrer „Comfort Zone“ zu arbeiten und das kann sowohl ängstlich als auch befreiend sein. Dazu habe ich mich auch in meinem eigenen Leben entschieden und es ist eine faszinierte unendliche Entwicklungsreise.

Vor allem der Schauspielberuf bietet verschiedene Wege an, ist aber sehr anstrengend, unsicher und benötigt Flexibilität, die Fähigkeit sich zu adaptieren, neu zu erfinden und psychisch, körperlich und geistig stark zu bleiben.

Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Ihr Mut, ihrer Menschlichkeit, ihrer Stärke und vor allem ihrer Zerbrechlichkeit.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Das kann ich leider nicht beantworten…

Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Wien ist zu meinem zweiten Zuhause geworden, sie ist die Stadt wo ich mein wahres Selbst und meinen echten Weg gefunden habe, wo ich meine Ängste und inneren Konflikte überwunden habe und wo ich in einer multikulturellen Umgebung lebe, etwas das immer meiner Kindheit Traum war.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als Schauspielerin in Wien/Österreich?

In meinem Fall sind die Möglichkeiten eher begrenzt, aber die sind sicher da. Ich brauchte Zeit um mich als Künstlerin zu finden, mich zu erkennen und zu definieren, ich denke ab jetzt wird es auch einfacher für mich die verschiedenen Möglichkeiten zu entdecken. Zum Glück Österreich liegt in zentralem Europa, muss man als Künstler immer einen erweiterten Blick haben …

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Dieser Beruf ist hart, unfair, und alles rund herum ist total subjektiv. Das wird so bleiben, aber ich wünsche, dass die Produzenten und Filmmacher, Regisseure und Theater Intendanten anders zu denken anfangen, und sich über mehr Diversität zu entscheiden.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Ich werde endlich mal wieder auf die Bühne sein und meine Freude deswegen ist riesig. Außerdem bin ich in einem tollen Projekt beteiligt, wo ich meine Stimme leihe, um eine sehr berührende Geschichte zu erzählen. Später dieses Jahr werde ich wieder in Berlin bei den Dreharbeiten eines Filmes mitmachen.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Seid fokussiert, diszipliniert, fest entschlossen, geduldig, beharrlich, dankbar, großzugig, und neugierig.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich würde sie einfach umarmen und in aller Stille einige Sekunden so bleiben.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Ruhm

Offenheit

Mut

Yin und Yang

Ino Matsou_Schauspielerin_
reenacting Romy Schneider _ Wien

Herzlichen Dank, liebe Ino, für Deine Zeit in Wort und szenischem Porträt! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspielprojekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Ino Matsou_Schauspielerin_Wien

www.inomatsou.com

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Hotel am Stephansplatz_Wien _ 4.2.2022

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 2_22

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