„Der Mut wächst manchmal in der Verzweiflung“ Susanne Rasser, Schriftstellerin _ Rauris 8.2.2022

Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ein guter Tag beginnt für mich mit Frühaufstehen. Ich mag es mir mein Notebook zu schnappen, wenn alle anderen noch schlafen. Die Stille des Morgens und der Blick auf die Gebirgslandschaft vor meinem Fenster, das rüstet mich für Tage und Zeiten, in denen es etwas zu bestehen und manchmal auch etwas auszubalancieren gilt.

Susanne Rasser, Schriftstellerin

Derzeit arbeite ich an einem Theaterstück. Und ich brüte an einer Idee. Das Ausbrüten braucht den Rückzug. Es geht dabei ums Schreiben mit der Kamera und um Frauenschicksale.

An guten Tagen befasse ich mich auch gerne mit der Fotografie. Ich füge gerne Textzeilen in Bilder, versuche mich an Collagen, würde gerne eine weitere Ausstellung meiner Textbilder auf die Beine und in einen Rahmen bringen.

Gute Tage enden für mich damit, dass ich bei meinen Projekten etwas weitergebracht und im Idealfall auch etwas begriffen habe.

In meinen Tageausablauf integriere ich seit Ausbruch der Pandemie auch einige Tätigkeiten, die der Gesunderhaltung dienen. Das Immunsystem zu stärken, mich möglichst gesund zu ernähren, das ist mir wichtiger denn je und das artet manchmal in einen Aufwand aus. In einen, der sich rundum lohnt.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Annehmen. Was ist. Andere Meinungen und Lebensweisen zulassen. Müssen wir immer Recht haben und behalten? Muss ich zu allem einen Standpunkt haben und diesen mit Vehemenz vertreten?

Ich glaube, derzeit ist es wichtig bei sich zu bleiben und der innersten Stimme zu vertrauen.

Bei sich bleiben. Rücksicht nehmen. Laufen lassen. Den Entwicklungen Zeit geben.

Kein Selbstmitleid. Kein Opferdenken. Gutes tun, fröhlich sein, das Leben ist ein Geschenk. Ich war vor einiger Zeit bei einem Begräbnis. Angesichts des Todes, der Endlichkeit dieses Hier-Seins, fiel es mir wieder ein welch großartiges Geschenk doch das Leben ist und wie sehr es an uns selber liegt, was daraus wird.

Das Leben, diese Spanne von Menschenleben, das beginnt zu glänzen, wenn wir es als Geschenk sehen (und auch als solches behandeln).

Ich glaube, grundsätzlich braucht unsere Gesellschaft friedenswillige Ausgleicher, tierliebende Naturschützer, menschenfreundliche Träumer und Gut-Gläubige aller ART.

Ich denke, für uns alle ist es hilfreich, wenn wir diese Krise auch als Chance zur Neuausrichtung und Weiterentwicklung begreifen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Zum Aufbrechen gehört Mut. Der Mut wächst manchmal in der Verzweiflung. Insofern haben Verzweiflungsphasen ab und zu auch eine Sprungbrettfunktion.

Über die Rolle und den Sinn der Kunst denke ich manchmal nach. Ich denke, die Kunst hat die Funktion eines Spiegels. In diesem Spiegel findet der Betrachter das, was auch in ihm ist. Ein Spiegel, der Fragen zurückwirft, der Reflexion ermöglicht. Für den Agierenden genauso wie für jenen, der das Buch, das Stück, den Film, die Aufführung oder Ausstellung betrachtet, hört, sieht, fühlt und vielleicht sogar bei sich oder in sich aufnimmt?

Kunst kann Spiel und Spiegel sein. Ein Spiel, in dem das Wachsen und oft auch das Miteinander seinen tiefen Ausdruck findet.

Kunst ist vielleicht manchmal auch so etwas wie eine Suche, die (be-)glückt.

Was liest Du derzeit?

Bauer und Bobo. Von Florian Klenk. Eine sehr lange Reportage, exzellent geschrieben. Ein Buch, in dem die brennenden Fragen unserer Zeit verhandelt werden. Es geht dabei um unseren Umgang mit den Tieren, um die Agrarpolitik, die Klimakrise, um das Kranke  im System. Nebenbei ist diese Geschichte auch eine über die große Kraft der Freundschaft. Sehr lesenswert, da aufhellend.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Statt eines Textes oder Zitates hier 6 Korrespondenzkarten und 1 Gedicht. Gerne zur freien Entnahme und fröhlichen Weiterverwendung.

Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Lieber Walter Pobaschnig, ich danke für die klugen Fragen, Sie inspirieren zum Weiterdenken.

5 Fragen an Künstler*innen:

Susanne Rasser, Schriftstellerin

Susanne Rasser lebt als Autorin und Fotokünstlerin in Rauris, Österreich, ihre Texte erscheinen im Februar 2022 bei der dahlemer verlagsanstalt, Berlin.

https://www.susannerasser.at/

Foto_privat.

14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

2 Gedanken zu „„Der Mut wächst manchmal in der Verzweiflung“ Susanne Rasser, Schriftstellerin _ Rauris 8.2.2022

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