„Literatur und Kunst bieten Möglichkeiten, herkömmliche Denkstrukturen aufzubrechen“ Helwig Brunner, Schriftsteller_Graz 16.11.2021

Lieber Helwig, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er ist wesentlich von meinem Brotberuf als Biologe (Geschäftsführer eines ökologischen Planungsbüros) bestimmt. Zeiten für die Literatur nutze ich flexibel, wenn sie sich auftun – dann wende ich mich entweder meiner herausgeberischen Tätigkeit für die Buchreihe keiper lyrik oder der Arbeit an eigenen Texten zu. Grundsätzlich kann ich mich immer hinsetzen und literarisch arbeiten, da bin ich nicht an bestimmte Tageszeiten oder Umstände gebunden.

Helwig Brunner, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das lässt sich wohl nicht so pauschal sagen, wie die Frage es nahezulegen scheint. Einige vorrangige Anforderungen sind offensichtlich: Ein wesentlich verstärktes Umweltbewusstsein in Anbetracht des Klimawandels und des fortschreitenden Verlusts der Biodiversität und das klare Bekenntnis zu freien, demokratischen Gesellschaftsformen angesichts illiberaler Entwicklungen z. B. in Ungarn, Polen und Afghanistan zählen sicher dazu. Darüber hinaus soll es aber im Sinne der gesellschaftlichen Diversität und der individuellen Selbstbestimmung jedem Menschen überlassen bleiben, seine Prioritäten selbst festzulegen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Notwendigkeit, Gesellschafts- und Lebensentwürfe neu zu denken, gab und gibt es zu jeder Zeit. Jüngste Umstände wie die Corona-Pandemie oder die wiederkehrende Evidenz politischen Machtmissbrauchs machen diese Notwendigkeit jetzt vielleicht besonders offensichtlich. Wesentlich dabei sind so altbacken erscheinende Werte wie Bescheidenheit und Redlichkeit im Denken und Tun anstelle von Hybris, Maßlosigkeit und Machtkalkül. Literatur und Kunst bieten Möglichkeiten, herkömmliche Denkstrukturen aufzubrechen und mit viel Empathie und Sorgfalt neue, alternative Strukturen zu formen – die grundlegendste und vielleicht wichtigste Form des Aufbruchs überhaupt.

Was liest Du derzeit?

Auf meinem Nachtkästchen liegt die „Poetik des Raums“ von Gaston Bachelard, außerdem die aktuelle Ausgabe der Literaturzeitschrift „manuskripte“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man sollte im Leben niemals die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist so groß.“ (Bertrand Russel)

Vielen Dank für das Interview lieber Helwig, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Helwig Brunner, Schriftsteller

https://helwigbrunner.jimdofree.com/

Foto_privat.

19.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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