„Das Mensch-Sein nicht zu verlernen“ Xenia Hawle, Schauspielerin _ Wien 15.11.2021

Liebe Xenia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kommt auf den Tag an. Mein Kalender ist derzeit, im Vergleich zu der gähnenden Leere vor noch einem halben Jahr, wieder bunt gefüllt mit Terminen, was mich natürlich sehr freut! Einerseits bin ich seit heuer Teil des ilveroteatro Ensembles geworden und unsere Proben an Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ sind gerade in vollem Gange (Premiere ist am 24. November im Theater Center Forum, Regie: Veronika Buchecker).

Andererseits gebe ich die Rolle der „Klischee Schauspielerin“, die sich durch Nebenjobs in Gastro & Co. ihre Mäuse dazu verdient.

Das Jahr war, ich glaube für alle, eine wahre Achterbahn der Gefühle und es ist selbstverständlich noch Luft nach oben, aber gerade durch diesen extremen Kontrast von Jänner zu Jetzt bin ich eigentlich recht zufrieden wie es momentan läuft, auch wenn mir die aktuelle Lage wieder etwas Sorgen bereitet…

Xenia Hawle, Schauspielerin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Demut vor dem Leben und unserem Planeten. Nichts für selbstverständlich nehmen. Und vor allem denk ich, wäre es wichtig, darauf zu achten, in dieser Zeit der Überdigitalisierung & Social Media, das Mensch-Sein nicht zu verlernen. Ich finde es ehrlich gesagt traurig oder gar erschreckend, in welche Richtung das teilweise zu gehen droht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dem Theater / Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Mir hat es damals sehr das Herz gebrochen, als gesagt wurde : „Wir als Künstler – oder die Kunst an sich wäre nicht systemrelevant“. Und das mag zu einem gewissen Punkt vielleicht stimmen (ein Theaterstück ist keine Herz-OP schon klar) ABER – und damit wiederhole ich womöglich viele Künstler*innen mit folgenden Worten, so kitschig es auch klingen mag, wir waren, sind und werden immer „Seelenrelevant“ sein.

Kunst, egal ob in Form von Film, Sprech- oder Musiktheater, in Büchern oder Malerei, ist so vielseitig. Sie verschönert das Leben, kann unterhalten, aufklären, inspirieren, schockieren, heilen, lädt zum Träumen ein, schafft es eine Botschaft auf eine ganz bestimmte Weise zu vermitteln oder kann zu einem sozialen Weltphänomen werden. Sie kann die Gesellschaft prägen oder den Zeitgeist widerspiegeln und für die Ewigkeit festhalten. Gerade das Theater hat so viele Jahrhunderte überlebt, sich immer wieder verändert und weiterentwickelt. Es wäre eine Schande, wenn dieser magische Ort nicht in irgendeiner Weise in der Zukunft weiterbesteht. Und für mich als Schauspielerin gibt es nichts Schöneres, als ein kleiner Teil davon zu sein.

Was liest du derzeit?

„Frankenstein“, von Mary Shelley,

„Oliver Twist“ von Charles Dickens

„The String of Pearls“ von Thomas Preskett Prest

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

“At times the world may seem an unfriendly and sinister place, but believe that there is much more good in it than bad. All you have to do is look hard enough.  and what might seem to be a series of unfortunate events may in fact be the first steps of a journey.”

― Lemony Snicket

Xenia Hawle, Schauspielerin, Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Xenia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Xenia Hawle, Schauspielerin, Sängerin

Fotos_Tom Weilguny.

14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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