„Vielleicht sollte auch im Bereich Literatur thematisiert werden, wie solidarisches Schreiben aussieht“ Tara Meister, Schriftstellerin _ Wien 11.11.2021

Liebe Tara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders, was schön ist, aber auch anstrengend.

Für mein Medizinstudium sitze ich mal vor online-Vorlesungen, mal bin ich an der Klinik, mal arbeite ich an meiner Diplomarbeit. Darüber hinaus engagiere ich mich im Bereich Jugendsexualpädagogik und im Opferschutz gewaltbetroffener Frauen.

In den Lücken dazwischen schreibe ich, tanze oder stehe auf Poetry Slam Bühnen. 

Tara Meister, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zu einer Lebendigkeit zurückzufinden, denke ich. Berühren nicht zu verlernen, Begegnungen nicht zu scheuen und kulturellen Austausch zu suchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke nicht, dass wir um jeden Preis zurückmüssen. Die Pandemie hat die Frage aufgeworfen, wie weit wir miteinander arbeiten wollen, bereit sind, uns zu solidarisieren und für gemeinsame Ziele zurückzustecken in Krisenzeiten. Ich denke, diese Frage sollte weiterverfolgt werden, gerade wenn es um das Thema Klimakrise geht. Kunst und Literatur müssen immer wieder Fragen stellen, wiederholen. Vieles ist falsch gelaufen. Wir müssen uns mit psychischer Gesundheit beschäftigen, das ist lange überfällig.

Vielleicht sollte auch im Bereich Literatur thematisiert werden, was Solidarität bedeutet, wie solidarisches Schreiben aussieht.

Was liest Du derzeit?

Sonetten von Ann Cotten. Die Texte sind frisch und spielerisch, das Richtige, wenn der Winter kommt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zu jeder Tageszeit etwas anderes wahrscheinlich. Gerade fällt mir das Gedicht von Ingeborg Bachmann ein, „Nach dieser Sintflut“.

Nach dieser Sintflut

Nach dieser Sintflut

möchte ich die Taube,

und nichts als die Taube,

noch einmal gerettet sehn.

Ich ginge ja unter in diesem Meer!

flög‘ sie nicht aus,

brächte sie nicht

in letzter Stunde das Blatt.

Tara Meister, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Tara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Tara Meister, Schriftstellerin

Fotos_1-3 Fedor Schlegel; 4 Andreas Brückner.

28.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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