„Ich habe meinen Garten und die Poesie“ Andrea Maria Kerstinger, Schriftstellerin_Burgenland_ 6.10.2021

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Sommer ist es jetzt wieder vorbei mit länger schlafen und viel lesen und/oder schreiben. Jetzt heißt es wieder früh aufstehen, ein bis zwei Kaffee trinken, die Kinder aufwecken, Jausenbrote richten, ev. noch kleinere Vorbereitungs- und Computerarbeiten erledigen und in die Schule zum Unterrichten fahren. Als Deutschlehrerin und Schulbibliothekarin bin ich auch dort von Büchern umgeben und manchmal schaffe ich es, dass ein klitzekleiner Funke überspringt. Am Nachmittag stehen wieder Vor- und Nachbereitungsarbeit auf dem Programm, dazwischen sind oft die Kinder irgendwo abzuholen oder hinzubringen und ich helfe bei Aufgaben, organisiere den Alltag mithilfe meines Mannes – das übliche Chaos halt.

Zeit zum Genießen, Lesen und Schreiben bleibt jetzt wieder weniger – für all diese Dinge brauche ich meine Ruhe. Aber ich habe ja meinen Garten und die Poesie.

Andrea Maria Kerstinger, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im ersten Lockdown hat sich gezeigt, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind und dass man gar nicht so viel zum Glücklichsein braucht: Gesundheit, Familie und Freunde. Mittlerweile scheint mir, dass vieles wieder in Vergessenheit geraten ist und der Alltagsstress mit tausenden, scheinbar wichtigen Terminen wieder überhandgenommen hat. Wir sollten dennoch versuchen manchmal innezuhalten, Kraft zu schöpfen und auf die Natur und die Mitmenschen zu achten. Zusammenhalt und Solidarität sind wichtiger denn je.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Rolle von Literatur und Kunst hat sich meiner Meinung nach nicht wesentlich verändert, vielleicht ist man sich ihrer sogar noch bewusster geworden. Literatur und Kunst helfen uns, in andere Welten abzutauchen, neue Sichtweisen und Blickwinkel zu entdecken, Unbekanntes kennenzulernen, über den Tellerrand zu blicken. Ihre Aufgabe ist es nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu bilden, zu provozieren, anzuecken, auszuloten, Missstände und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen, aber auch Schönes aufzuzeigen und zu berühren. Über alle künstlerischen Kanäle, v.a. aber auch über die Literatur können und sollen so wichtige Themen wie Toleranz, Diversität, Mitgefühl  etc. transportiert werden.

Was liest Du derzeit?

Ich habe in den Sommerferien viele großartige Bücher gelesen, jetzt ist die Zeit knapper bemessen. Momentan lese ich Angela Lehners „2001“, aber auch „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff und „Lebenswende“ von Julia Hoch liegen schon parat.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man kann seine Heimat verlassen, aber es gibt keine Gegenwart ohne Herkunft. Niemals und nirgends.“ (Salih Jamal: Das perfekte Grau)

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andrea Maria Kerstinger, Schriftstellerin

Foto_Anna Maria Kuzmits

12.9.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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