„Dass für unser System mehr relevant ist als genug zu essen und nicht krank zu werden“ Rebekka Rom, Tänzerin_Wien _ 28.7.2021

Liebe Rebekka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wir genießen aktuell die letzten Monate mit Kindergartenkindern und stehen daher „erst“ um 7.30 auf (wir fürchten uns schon vor dem Herbst mit einem Schulkind). Um ca 8.30 bringt mein Freund oder ich die beiden in den Kindergarten und unser Arbeitstag beginnt, wobei ich momentan grad sehr gern von zuhause aus arbeite. Nach dem ersten Lockdown letztes Jahr hab ich noch jede Gelegenheit genutzt, vom Studio aus zu arbeiten, inzwischen genieße ich es wieder sehr, einfach zuhause zu bleiben.

Rebekka Rom, Tänzerin, Tanzpädagogin, Tanzstudioleiterin

Ich klappe also meist bei meinem 2. Kaffee den Laptop aus und beginne mit meinen Mails und Telefonaten. Das nimmt eigentlich meinen kompletten Vormittag ein, oft gibt es zwischendurch auch Meetings (momentan noch viele via Zoom) mit meinem Team oder Kolleg/innen. Während des ersten Lockdowns hab ich mich – nach fast 15 Jahren Studioleitungs-Tätigkeit – mit mehreren anderen Tanzstudio-Leiter/innen zusammengetan und wir haben den längst überfälligen Schritt getan, den Verband der Tanzstudios Österreich zu gründen. Ich glaub, das hat mich gut durch die Corona-Zeit gebracht, weil ich das Gefühl hatte, da etwas langfristig sinnvolles zu tun, das uns allen auch über die Corona-Zeit hinaus von Nutzen sein wird. Allerdings haben wir da auch ein ziemlich großes „Fass“ aufgemacht, denn die Branche der Tanzstudios ist noch recht jung und schwer zu erfassen…


Inzwischen sind meine eigentlichen Arbeiten auch wieder dazugekommen. Ich habe in den letzten Monaten eine Workshop- & Performance-Reihe im öffentlichen Raum geplant und natürlich all die Aufgaben, die in meinem eigenen Verein und den Studios so anfallen. Momentan arbeite ich also parallel an sehr vielen Baustellen.


Nachmittags unterrichte ich nach wie vor selbst 3x wöchentlich. Ab spätestens 15.00 hab ich also meine Kurse mit Kindern und Jugendlichen von 4 bis 14 Jahren, mit denen ich endlich nach dieser langen Pause wieder tanzen darf.
An meinen kursfreien Tagen versuche ich, meine eigenen Kinder möglichst früh abzuholen und noch was mit ihnen zu unternehmen. Wir lieben die alte Donau und verbringen momentan jede freie Minute im Bundesbad. Als Wahl-Wienerin gibt es für mich kaum was schöneres als dieser Blick von Wasser, Natur und im Hintergrund die Hochhäuser und die U-Bahn. Alles in einem.

Dann wird gemeinsam Abend gegessen und die Kinder gehen gegen 21.00 schlafen. Mindestens eine/r von uns schläft dabei meist auch gleich ein…

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Moment genießen. Wenn uns Corona etwas gezeigt hat, dann dass alles anders kommen kann. Einfach so, von jetzt auf gleich.
Ich bin an sich ein Mensch, der es liebt zu planen und sehr langfristig plant. Corona war also furchtbar für mich, nie zu wissen wann was wieder möglich sein wird, ständig Dinge zu planen, die dann eh nicht stattfinden können etc. Dafür sind dann aber Dinge ganz spontan passiert, die ohne viel Planung einfach toll waren.
Ich blende alle Gespräche rund um den Herbst und sämtliche XY-Virusvarianten gerade bewusst aus, um einfach die Zeit jetzt gerade zu genießen. Und wir planen mal den Herbst so gut es geht und lassen uns überraschen…

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Ich war ja wirklich lange gekränkt über die Aussage, Tanz sei nicht systemrelevant. Bin ich eigentlich noch immer ein bisschen.
Also natürlich ist mir klar, was damit gemeint ist und dass medizinisches Personal in einer Pandemie eine andere Rolle spielt. Aber dennoch war die Message „das was du tust, braucht es eigentlich nicht“.
Nun ist die Zeit, bewusst zu machen, dass für unser System mehr relevant ist als genug zu essen und nicht krank zu werden. Wir brauchen auch vieles, das uns körperlich und psychisch gesund bleiben bzw werden lässt. Dazu gehören Künste aller Art und im speziellen Tanz als Kombination aus Kunstform und körperlicher Betätigung.

Was liest Du derzeit?

Mit 2 kleinen Kindern hab ich ehrlich gesagt schon viel zu lange nicht mehr in Ruhe ein Buch gelesen und bin froh, wenn ich ab und an die Zeitung schaff… Dafür bin ich aber Expertin für Kinderliteratur und oft wirklich begeistert davon, was es da so alles gibt. Momentan lesen wir „Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ von Jakob Martin Strid – große Empfehlung.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und verloren sei uns der Tag, wo nicht einmal getanzt wurde.“
Friedrich Nietzsche

Rebekka Rom, Tänzerin, Tanzpädagogin, Tanzstudioleiterin

Vielen Dank für das Interview liebe Rebekka, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Tanzprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Rebekka Rom, Tänzerin, Tanzpädagogin, Tanzstudioleiterin

Rebekka Rom – arriola tanzstudio (arriola-tanzstudio.at)

Alle Fotos_privat

30.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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