„Was brauche ich wirklich? Worauf kann und sollte ich verzichten?“ Andrea Cochius, Konzeptkünstlerin_Lübeck 30.6.2021

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe ein Morgenritual: Zunächst zwei Seiten schreiben ohne nachdenken, diese zwei Seiten dann lesen – kann ich jedem empfehlen. Ein wunderbares Mittel sich und sein Leben in den Griff zu kriegen oder zu behalten. Mittlerweile habe ich ein Regal, welches mit den täglichen autobiographischen Daten meiner letzten fünf Lebensjahre vollgestellt ist. Da ich nicht vorhabe damit aufzuhören, werde ich für diese Aufzeichnungen einmal einen ganzen Raum brauchen. Dabei kommen mir Ideen zu aktuellen Projekten, diese werden skizziert oder gleich umgesetzt und ich plane den Tag. Zum Abschluss meines Morgenrituals dann Sport – ohne Bewegung werde ich depressiv.

Ich ruhe mich aus. Es folgen Recherche und Projektkonzeption. Für mein aktuelles Kunst-Projekt EUROPEAN VISIONS etwa erforsche ich die Vorlieben von Personen unterschiedlicher sozialer Backgrounds in Bezug auf Kunstgemälde – hieraus entsteht eine Form der Porträt-Malerei. Neben der Malerei sind sehr viel Planung und Organisation nötig. Häufig muss ich jedoch schlicht Besorgungen machen.

Nach einer erneuten Pause endlich der Gang ins Atelier. Hier sind Raum und Zeit ganz meins.

Falls ich eine private Verabredung habe, bleibt für manch genannte Tätigkeit noch weniger Zeit, was mich dann ärgert. Verabredungen waren natürlich während des harten Lockdowns seltener der Fall. Das tat mir aber auch nicht gut – ich hatte den Eindruck ein wenig zu verwahrlosen. Mindestens zwei Stunden mehr Zeit am Tag wären schön.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich Wesentliches fragen:  Was brauche ich wirklich? Worauf kann und sollte ich verzichten? Welche Erinnerungen und Menschen bedeuten mir etwas?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Der erlebte Verzicht wird uns zunächst helfen Situationen, Menschen und Dinge bewusster wahrzunehmen, anstatt sie bedenkenlos zu konsumieren – ich hoffe, dass diese potenzielle Wahrnehmungs- und somit auch Verhaltensänderung über diesen Aufbruch hinaus halten wird. Da es seit eh und je die Aufgabe der Kunst ist, die Wahrnehmung zu schärfen, könnte sie sich auf diesen Prozess positiv auswirken.

Was liest Du derzeit?

„Das Adressbuch“ von Sophie Calle.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Und:

„Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ (Karl Lagerfeld).

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andrea Cochius, Konzeptkünstlerin, Malerin

Andrea Cochius (andrea-cochius.de)

www.european-visions.eu

Facebook: https://www.facebook.com/frida.cochius

Instagram: @acochius

Foto_privat.

4.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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