„Der Aufbruch beginnt mit Akzeptanz“ David Stecher, Musiker _Wien 1.6.2021

Lieber David, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment ist das sehr situativ. Am Morgen und am Abend sind die Spaziergänge
mit Partnerin und Hund die einzigen Konstanten derzeit. Manchmal arbeite ich als
Bauleiter im Souterrain meiner Nachbarin, Montags und Samstags gehe ich meinem
9to5 Job im Handel nach, welcher auch meine Fixkosten deckt. Unter der Woche ist
das Studium als Tontechniker im Fokus. Nebenbei darf ich im Off Theater in Wien
den Ton für unsere Zoom-Theater (Mai) bzw. Live Vorstellungen machen und auch andere
tontechnische Leistungen wie Mikrofonierungen erstellen, Löten und was sonst so
anfällt, durchführen.

Da unser Album in der finalen Phase steckt ist natürlich auch Mastering, Promotion
und generell die Absprache mit dem Label bzw. Studio eine zentrale Beschäftigung
im Moment. Sehr wichtig dabei ist das Thema Release, da wir abhängig von
Konzerten sind. Dementsprechend haben wir den Release des Albums nach hinten
verlegt, da die Live-Branche für uns MusikerInnen wohl immer noch die wichtigste
Einnahmequelle darstellt. Wir hoffen, dass bis dorthin auch Konzerte in
dementsprechender Form möglich sein werden.

David Stecher, Musiker/Tontechniker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gesundheit, sowohl physisch als auch psychisch. Die Pandemie belastet alle auf
unterschiedliche Art und Weise. Folgend werden auch die Antworten auf diese Frage
unterschiedlich lauten. Ein Anliegen ist mir, dass die finanzielle Situation, gerade im Kunst und Kultur Bereich, zumindest machbar erscheint. Ich hoffe, dass die KollegInnen in allen
Bereichen, von Booking, Technik, Schauspiel, MusikerIn etc. halbwegs über die
Runden kommen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was
wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater,
der Kunst an sich zu?

Ich glaube der Aufbruch beginnt mit Akzeptanz. Ich wage zu behaupten, dass ein
Leben ohne Covid-19 nicht/schwer vorstellbar sein wird. Der Fachbegriff wäre
glaube ich eine Endemie. Also ein Leben mit Corona, sowie mit der saisonalen
Sommergrippe zum Beispiel. Wir werden durch Impfungen und Immunisierung den
Großteil der schweren Folgen beseitigen und irgendwann wird es wie eine klassische
Erkältung sein. Bis dorthin dauert es aber noch ein wenig.

Die Pandemie wirft wieder einmal mehr die soziale Frage auf – und genau die gilt es
aus meiner Sicht wieder vermehrt zu thematisieren. Ich erhoffe mir von
MusikerInnen und Theatern, dass sie diese aufgreifen. Große Onlineshopping
Konzerne zahlen kaum Steuern in Europa, während finanzielle Hilfestellungen
teilweise noch immer nicht angekommen sind. Außerdem finde ich die Entwicklung der QurdenkerInnen Bewegung als sehr beunruhigend. Es stellt mir die Haare auf,
wenn vermeintlich Linke mit Neonazis demonstrieren. Hier soll und kann die Kunst
und Kultur als Spiegel für die Gesellschaft dienen. Allerdings wird der große Effekt
davon glaube ich erst wieder unter „normalen“ Bedingungen eintreten.

Was liest Du derzeit?

Ich muss gestehen, ich bin kein großer Leser. Im Zuge meines Studiums befasse ich
mich sehr viel mit tontechnischer Literatur. Meistens lese ich, sofern ich lese, Lyrics.
Dafür schaue ich viele Dokus und Satire-Sendungen. What Drives Us ist gerade
kürzlich erschienen und finde ich durchaus unterhaltsam, auch wenn der musikalische
Mehrwert überschaubar ist. Jan Böhmermann und sein ZDF Magazin Royale sind ein
fester Bestandteil unseres Freitag Abends und kann ich nur empfehlen. Wie Eingangs
erwähnt ist meine Hauptlektüre zurzeit ein manual eines 16 kanaligen Mischpultes
welches im Theater steht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Read the fucking manual! Spaß bei Seite.

In What Drives Us wird unmissverständlich die Kernbotschaft transportiert und diese
lautet Sinngemäß:,, Auch wenn man es sich am Anfang nicht zutraut/vorstellen kann,
man sollte immer an seiner Idee arbeiten, sie verfolgen und sich einfach trauen”.
Ich glaube, dass diese Angst vor der Angst immer noch viele Menschen davon abhält,
ihr eigenes Ding umzusetzen. Speziell im letzten Jahr wurde diese Angst leider für
viele noch verstärkt…

Vielen Dank für das Interview lieber David, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Ich sag’ Danke!

5 Fragen an Künstler*innen:

David Stecher, Tontechniker / Musiker / Student

Foto_ Aria Sadr-Salek

5.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com



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