„Sinn stiften, bei Sinnen sein, oder sich verlieren: sinnlich werden“ Susanne Schirdewahn, Künstlerin_Berlin 3.5.2021

Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder meiner Tage ist voll und vollends anders. Da ich zwei Jungs im hohen Teenageralter und derzeit eine Gastschülerin habe, scheuche ich uns alle in den Morgen, um dann selbst online zu unterrichten (DAF) oder an meinen Texten zu schreiben oder ins Atelier zu fahren. Dazwischen versuche ich etwas Ordnung in alles zu bringen, was schwierig ist, da ich so eine Art Furor an der Leine habe. Momentan habe ich das starke Bedürfnis nach kreativem Arbeiten, also nutze ich dafür jede, aber auch jede Minute. Zum Glück kochen wir alle vier gerne und gut, sodass auch das nicht zu kurz kommt.

Susanne Schirdewahn_Künstlerin und Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eben das: täglich etwas mit Sinn machen. Sinn stiften, bei Sinnen sein, oder sich verlieren: sinnlich werden. Seit ich Deutschtrainerin bin für Wörter, machen auch die plötzlich viel mehr Sinn. Ich glaube, derzeit tut es gut, sich auf die Schönheit von Gedanken einzulassen. Nicht umsonst entdecken viele die Romantik neu, die Natur, die Einfachheit. Doch bei aller Betrachtung ist es wichtig, den Motor am Laufen zu halten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Für mich ist die Kultur ein Zuhause, das wird sich auch nie ändern. Mit ihr gelingt es hervorragend, mal aus dieser „Box“ zu steigen und neue Blickwinkel zu haben. Das darf nicht anders werden! Momentan habe ich nur Sorgen, dass diese Impulse im letzten Jahr eingeschlafen sind. Zuerst zu denken, was man darf und nicht darf, anstatt zu überlegen, was möglich ist. Für diese Möglichkeiten ist „Kulturschaffen“ ein perfektes Fitnessstudio. Wach bleiben! Mitdenken! Manchmal werde ich richtig theatralisch, wenn ich denke: klar, die Kultur ist der Kit in unserer Gesellschaft, aber auch der Auslöser.

Susanne Schirdewahn_Künstlerin und Autorin

Was liest Du derzeit?

Durch Zufall bin ich auf das Buch „Wir sind dann wohl die Angehörigen“ von Johann Scheerer gestoßen, der darin aus seiner Sicht als damals 13 Jähriger die Entführung seines Vater (Jan Philipp Reemtsma) beschreibt. Das passt geradezu perfekt in meine bildnerische Auseinandersetzung mit „Traum-Trauma“. Sehr empfehlenswert!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sinn? Sinn!

Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Susanne Schirdewahn_Künstlerin und Autorin

http://www.susanne-schirdewahn.de/

Fotos_1 Tanja Nedwig; 2 Marcel Schwickerath

2.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s