„Traditionelle Kunstformen verschwinden oder werden schwer wieder herstellbar sein“ Renate Pittroff, Regisseurin_Wien 24.4.2021

Liebe Renate, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich wenig verändert, da ich schon vor der Pandemie viel in meinem Atelier und von Zuhause aus gearbeitet habe.

Eingeschränkt sind die Arbeitssituationen im Hörspielstudio und auf Probebühnen. Performances und Reisen zu Konzertauftritten finden mal statt, mal fallen sie den diversen Beschränkungen zum Opfer.

Was mir fehlt, das ist der face-to-face Austausch mit den Künstlerfreund*innen und Student*innen und der Kaffeetratsch am Yppenplatz.

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Nerven bewahren. Empathie zeigen. Die allgemeine Gereiztheit nicht ins Private hinübernehmen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es fällt mir schwer, zu beurteilen, wie die Kunst und die Literatur nach der Pandemie dastehen wird. Traditionelle Kunstformen verschwinden oder werden schwer wieder herstellbar sein. Ein Auf- und Umbruch ist an sich auch eine Chance.

Die Rolle der Kunst und Literatur sehe ich darin, die demokratischen Verfahren und Strukturen, die jetzt schwer in Mitleidenschaft gezogen sind, zu stärken. Und wachsam zu sein, dass die gesellschaftlichen Umbrüche, die sich durch die momentane Digitalisierung und Datenvernetzung entwickeln, nicht „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zerstören.

Was liest Du derzeit?

Ich lese „Designing Beauty – The Art of Cellular Automata“ von Andrew Adamatzy und Genaro J.Martinez, den Essay „Macht“ aus der Schriftenreihe der Vontobel-Stiftung von Rainer Hank mit Illustrationen von Luis Murschetz, „Intelligenz der Pflanzen“ von Stefano Mancuso, außerdem beschäftige ich mich mit Programmiersprachen „Python“ und „C++“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jean Paul schrieb: Nur der Mensch, der schon einmal einen Vogel gezähmt hat, sollte Kinder erziehen dürfen.

Mir gefällt an diesem Zitat, wie Jean Paul hier den Gap zwischen Freiheit und Anpassung benennt. Und er zeigt den Freiheitswillen, aber auch die Zerbrechlichkeit des Menschen auf. Ich wünsche mir Leader der relevanten gesellschaftlichen Bereiche, die diesen Satz beherzigen.

Vielen Dank für das Interview liebe Renate, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Renate Pittroff, Regisseurin, Medienkünstlerin

wechselstrom, christoph theiler, renate pittroff (wechsel-strom.net)

Foto_Christoph Theiler

24.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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